186 Rap. 21. Von einigen beruͤhmten Kuͤnſtlern des 17. Jahrhunderts
gefallen bezeigt habe: bey welcher Gelegenheit Berettini ihn gefragt, ob er ſehenwolle, wie leicht die Kinder weinten und lachten? Er that darauf zu groſſer Bewun-drung des Fuͤrſten einen Pinſelſtrich, und das Kind ſchien zu lachen: und wieder einenandern, wodurch es aufs neue ſeine vorige weinende Geſtalt erhielt. Der KardinalMedicis kaufte von unſerm Kuͤnſtler einige Tizianiſche Gemaͤlde, welche derſelbe ausVenedig mitgebracht hatte, wie man ihm aber in den Kopf ſetzte, daß es Copien vonder Hand des Peter von Cortona waͤren, ſtellte er dieſen deswegen zur Rede: welches der Maler ſo uͤbel nahm, daß er einpackte, nach Rom gieng, und durch keinBitten zu bewegen war, die unvollkommen gelaſſenen Sachen zu vollenden. CiroFerri that ſolches nachgehends.
Nach ſeiner Zuruͤckkunft machte Peter von Cortona zu Rom in der ChieſaNuova viele Gemälde an dem Gewoͤlbe der Kuppel, und der Kammer des heiligenPhilippus Neri, und endlich trug ihm Innocentius X. eine Gallerie in dem Pam li-ſchen Pallaſt auf dem Platz Navona mit Geſchichten aus der Aeneide des Virgils auf!:welches eine ſeiner letzten Arbeiten war. Ceſius hat ſolche geſtochen.
Peter von Cortona erwarb ſich durch ſeine Gebaͤude einen eben ſo groſſen Nahmen/als durch die Gemälde. Auſſer der Kirche Maria in Via lata und vielen Pallaͤſten,gab er die ſchoͤne Kirche St. Lucas des Malers an, und vermachte ihr nicht nur eilſchoͤnes Gemaͤlde von Raphael, ſondern noch 50000. Thaler zu Errichtung des hohenAltars und eines Grabmals fuͤr ihn. Er liegt daſelbſt unter einem ſchoͤnen marmol-nen Monument. Zum Beſten der bey dieſer Kirche befindlichen Malerſchule ſetzte ergleichfalls milde Stiftungen aus. Alexander VII. machte ihn zum Ritter, und ſchenkleihm eine goldne Gnadenkette, weil er mit ſeiner Baukunſt ſehr zufrieden war.
Wenn dieſer Kuͤnſtler richtiger gezeichnet, mehr Ausdruck in ſeinen Figurengebraucht, die Gewaͤnder beſſer gelegt, und nicht ſo viel Einfoͤrmigkeit in ſeinen Kö-pfen beobachtet haͤtte, ſo waͤre er unter die groͤſten Maler zu ſetzen: Denn von delSeite der Erfindung, des Colorits, und der leichten Art die Gegenſtaͤnde zu behal-deln, muß man ihm viele Verdienſte einraͤumen. Er war mehr zu weitlaͤuftigen 55ſammenſetzungen auf naſſem Kalk, als zu Oelmalereyen aufgelegt: daher ſchätzt madieſe auch geringer. In den letzten Jahren muſte er gleichwol meiſtens kleinere Ge-maͤlde verfertigen, weil ihm das Podagra an den andern hinderte. Im Umgangwar er lebhaft; ohne Stolz, und von redlichem Charakter. Er brachte ſein Lebenhoch, und beſchloß es 1669. im drey und ſiebenzigſten Jahre. Man begrub ihn in deKirche, wo er gedachtermaſſen fuͤr ſein Monument ſo reichlich geſorgt hatte.
III. Andreas Sacchi.wol-
Andreas Sacchi, den einige auch Oche mit dem Geſchlechtsnahmen nennenlen, wurde 1599. in Rom gebohren, und erlernte die Anfangsgruͤnde ſeiner Kun b fſeinem Vater. Nachgehends ſchickte dieſer ihn zum Albani, unter deſſen Beyſpiel er 755geſtalt zunahm, daß man ihn jederzeit fuͤr den beſten Schuler gehalten. Er faßte mehin einer Stunde, als andere in ganzen Tagen: weswegen ihn der Meiſter vorzuͤglt 5liebte, und mehrern Fleiß auf ſeinen Unterricht wandte. Der junge Künſtler 95ſeines Lehrers friſche liebliche Manier, und ſchönes Colorit ungemein geſchic nach,ahmen. Als er anfieng ſelbſt kleine Staffeleygemaͤlde, jedoch unter der Aufſicht 1nes Meiſters, zu verfertigen, konnte er kaum ſo viel vollenden, als man ver 1Der Kardinal Monte ließ ſeinen Pallaſt durch ihn malen, und der Kardinal Ba.rini nahm ihn zu ſich ins Haus, damit er deſto bequemer an einer allegoriſcheſ 1