Platte T.
188 Kap. 21. Von einigen beruͤhmten Kuͤnſtlern des 17. Jahrhunderts
ſicht uͤber die Sirtiniſche Kapelle an. Er hatte vielen Verdruß von ſeinen Verwand-ten, und andern Malern, wodurch er zuletzt melancholiſch wurde, und nicht ohneVerdacht empfangenen Gifts ſtarb. Dieſes geſchahe 1649. in ſeinen beſten Jahren.
113. Franciſcus Geſſi.
Franeiſcus Geſſi war aus einem adelichen Geſchlechte zu Bologna 1588. geboh-ren. Er hatte mehr Neigung zu den Kuͤnſten als zum Soldatenſtande, und waͤhltedie Malerkunſt. Den Anfang, dieſelbe zu erlernen, machte er bey Dionyſtus Cal-vart, weil er aber von hitzigem und zaͤnkiſchem Gemuͤthe war, ſo jagte dieſer ihn fort.Dies war eine Warnung fuͤrs kuͤnftige, denn er legte ſeine unzeitige Hitze ab, als erzu Guido Rheni in die Schule kam. Unter der Anfuͤhrung eines ſo groſſen Lehrers/brachte er es bald ſehr weit, da es ihm nicht an natuͤrlicher Geſchicklichkeit fehlte ·Guido liebte ihn, und ließ ihn an ſeinen wichtigſten Werken zugleich Hand anlegen,denn er wuſte deſſen angenehme Manier ungemein gluͤcklich nachzuahmen. Ueber dieſeszeichnete er gut, und malte mit einer gewiſſen Leichtigkeit, die den Kennern geſiel.Aus Eigenſinn war er ſelten mit dem, was er gemacht hakte, zu frieden: ſonderverbeſſerte oft ſo lange, bis die Arbeit dadurch verdorben wurde. Bey den Carthaͤll-ſern zu Bologna ſieht man Chriſtus, wie er im Oelgarten betet, und eine Abnehmungvom Kreuze, desgleichen bey den Nonnen zu St. Catharina, die Marter dieſer Heil,gen. Nach dem Tode ſeines Vaters erbte er ein anſehnliches Vermoͤgen, aber auczugleich Proceſſe; und weil er ſich damit beſchaͤftigte, und nicht mehr Urſache hatteſein Brod mit dem Pinſel zu verdienen, ſo ließ er die Malerey liegen. Er ſtarb diBologna 1620. in den beſten Jahren, und wie man ſagt, aus Eigenſinn, weil er demRathe ſeines Arztes nicht folgen wollte.
114. Petrus Teſta.
Petrus Teſta war zu Lucca 1611. gebohren: lernte Anfangs bey Dominichino/und zuletzt bey Peter von Cortona. Er kam als Pilgrim nach Rom, und muſte ſieanfangs gar kuͤmmerlich behelfen. Die Noth und naturliche Fähigkeit machten,er es weit in der Zeichnung brachte. Man wird nicht leicht ein Monument/ der Baul-kunſt, Baskeliefs oder Statuen in Rom finden, die er nicht abgezeichnet. Sandrarnahm ihn aus Mitleiden zu ſich, gab ihm den Tiſch und Kleider, und ließ viele in demkoſtbaren Werke der Galleria Giuſtiniana befindliche Statuen durch ihn abzeichnen,welches er um eine geringe Belohnung mit vieler Geſchicklichkeit verrichtete. Er legſich ſtark auf das Kupferetzen, und arbeitete viele Platten, als die pier Elemente,Raub der Proſerpina, den Tod der Dido, die Geſchichte des Hee tors, und andnach ſeinen Zeichnungen aus. Sie wurden geſucht. Baldinucei liefert in dem Lebendes Teſta ein Verzeichniß davon. Er ließ ſich durch eine feurige Einbildungskraft 5ſehr hinreiſſen, daher herſcht in feiner Erfindung oft eine wide linardnund indzwungne Stellungen, und uͤbertriebene Figuren. Das Auge findet keine Ruhe, undalles ſcheint durch einander geworffen. Seine Hitze ließ ihm nicht Zeit einen Gegen?ſtand zu uͤberdenken, daher fehlt oft der gehörige Ausdruck. Am beſten zeichnete 5Kinder. Die Farbenmiſchung wollte ihm nie recht gelingen, daher ſein Colorit) rblieb, und den Gemaͤlden die Haltung mangelte. Er gieng mit keinem Menſchen umſondern lebte beſtaͤndig allein fuͤr ſich. Als er eines Tages in ſeiner Einſamkeit an derTiber ſaß, und zeichnete, wehte der Wind ſeinen Hut in den Fluß; und indem er ſochen haſchen wollte, ſiel er hinein, und kam 1649. ums Leben, da er noch nicht iJahr erreicht hatte. Er hatte einen Bruder Johannes Caͤſar, welcher verſchiednBlatter, von Peters Erfindung aͤtzte.
115. Sal-
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