190 Kap. 21. Voneinigen beruͤhmten Kuͤnſtlern des 17. Jahrhunderts
Beſcheidenheit geben, denn er hat nie ſeinen Pinſel mit unanſtaͤndigen Vorſtellungenverunehrt. Er war fleißig, und arbeitete mit einer ſolchen Leichtigkeit und Hurtig-keit, daß er ein mittelmaͤßiges Staffeley-Gemaͤlde oft in einem Tage anfieng und voslendete. Lorenz Lippi war einmal verlegen, wie er zu einem hiſtoriſchen Gemaͤlde dieLandſchaft verfertigen ſollte: Roſa nahm feine Pinſel und Palette, und machte inſo kurzer Zeit die Landſchaft, daß alle Zuſchauer ſich daruber wunderten. Lippi mal,te dafuͤr aus Dankbarkeit ſein Bildniß. Aus dieſer Fertigkeit läßt ſich ſchlieſſen, wieviel Roſa Sachen geliefert, da er ein gutes Alter erreicht hat, und wie viel mehrereDenkmale ſeines Pinſels er hinterlaſſen haben wuͤrde, wenn die Muſik und Dichtkunſtnicht ſo manche Stunde weggenommen haͤtten. Wenn er eine Stellung in ſeinenGemaͤlden brauchte, ſo machte er ſolche ſelbſt vor dem Spiegel, und zeichnete ſie nach.
Roſa ſchaͤtzte ſeine Arbeiten ſehr hoch, wie er es dahin gebracht hatte, daß ernicht mehr fuͤts Brod malen muſte, und behielt ſie lieber in ſeineu Hauſe, als daß erſie um einen ſchlechten Preis weggeſchleudert haͤtte. Er liebte die Freiheit ſo ſehr,daß er die ihm angebotenen Dienſte groſſer Herrn allemal ausſchlug. Seinem Hangezur Satyre iſt es zuzuſchreiben, daß er auch in der ſatyriſchen Malerey oder in Ca-ricaturen ſehr geſchickt war. Man erzehlt eine Menge luſtiger Einfälle von ihm!z. E. als ihm einſt jemand vorwarf, daß er auf einem elenden Clavier ſpielte; ſagleer: ich will bald machen, daß es wenigſtens 100. Thaler gelten ſoll, ſetzte ſich hinund machte ein ſo gutes Gemaͤlde darauf, daß es nachgehends um dieſen Preis verkauftwurde. Als er auf dieſe Weiſe viele Jahre zu Rom gelebt hatte, fiel er in ein hefti-ges Fieber, und trank bey der Gelegenheit ſo ſtark, daß er ſich die Waſſerſücht zuzog,In dieſem Zuſtande ließ er ſich ſeine vieljaͤhrige Maitreſſe, ein liebes Weib, mider er verſchiedne Kinder gezeugt, antrauen. Nicht lange hernach gieng er 1673. unacht und funfzigſten Jahr aus der Welt, und wurde in der Nachbarſchaft des CarMaratti bey den Carthaͤuſern begraben.
116. Michael Ang elo der Schlachtenmaler.
Michael Angelo Cerquozzi, wurde 1602. zu Rom gebohren. Weil er vielSchlachten malte, hieß man ihn oft nur Michel Angelo delle Bataglie, oder wegenſeiner Vorſtellungen von Jahrmärkten und Bauern in hollaͤndiſchem GeſchmachMichel Angelo delle Bambocciate. Wegen ſeiner Neigung zum malen ſchickte ihn derVater anfangs zu einem Niederlaͤnder Jacob Haſe, und zu noch ein paar anderItaliaͤnern: Cerquozzi fand aber viel Vergnuͤgen an dem damals in Rom herrſchelden Geſchmack, und gewoͤhnte ſich ganz an die Art des Peter de Laer gemeiniglichBamboccio genannt. Er that es bald allen ſeinen Bekannten zuvor. Er zeigteviel Geiſt in ſeinen Erfindungen und ſolche naͤrriſche und doch gut ausgeſonnene Einfälle,daß jedermann ſeine Gemaͤlde mit Vergnuͤgen betrachtete. Weil er uͤberdieſes ange-nehm im Umgange war, ſo ſah er ſein Haus allezeit voll von Roͤmern und Fremden/die ſeine Geſellſchaft und Arbeit ſuchten. Er beſaß eine ſo lebhafte Einbildungskraft/daß er eine Schlacht oder eine andre Begebenheit gleich aus freier Hand hin malte.Er zeichnete ſeine Gemaͤlde nicht vorher, ſondern malte die Figuren gleich mit dePinſel hin, und beſſerte ſie nachher ſo lange aus, bis er ſie vor gut hielt. Unter dieſen Umſtänden konnte es nicht fehlen, er muſte in und auſſer Rom bekannt werden,und die Fremden brachten ſeine Werke in andre Laͤnder. Die Arbeit gefiel allenthal-ben, ein jeder wollte etwas von ihm beſitzen; dies zog ihm ſo viel Beſtellungen zu, daer ſie nicht alle liefern konnte. Man bezahlte ihm die Stuͤcke reichlich, und er brachtebald ein anſehnlich Vermoͤgen zuſammen. Cerquozzi wollte es nicht auf die gewöge
liche Art unterbringen, ſondern hatte die Gewohnheit es zu vergraben. Als er einst