192 Kap. 21. Von einigen beruͤhmten Kuͤnſtlern des 17. Jahrhunderts
Fleiß, und die unaufhoͤrliche Anſtrengung verurſachten, daß der junge Kuͤnſtler einerAuszehrung ſehr nahe war. Der Kardinal ſchickte ihn deswegen nach Neapel, damiter ſich in der dortigen herrlichen Luft wieder erholen ſollte. Die Reiſe that ihre er-wuͤnſchte Wirkung, und Romanelli richtete, nachdem er vollig geſund wieder nach
Rom gekonmmen war, durch Vorſchub ſeines groſſen Goͤnners im Pallaſt der Kanzeley
ſeine Wohnung, und zugleich eine Malerſchule auf.
Romanelli Ruf wuchs nunmehr alle Tage. Seine Arbeit kam dem Koͤnigevon England zu Geſichte, welcher ihn nach London verlangte. Er wuͤrde dieſem Befehl gefolgt ſeyn, wenn des Kardinals Abſichten nicht dahin gegangen wären, ihn fürden Pabſt zu behalten. Er bekam auch gar bald wichtige Stuͤcke auf Befehl des hei-ligen Vaters zu malen: zum Beweiſe dient die Geſchichte der Graͤfin Matildis in demVatican, und drey Gemaͤlde, eine Darſtellung im Tempel, ein heiliger Gregorius,und Petrus der den Teufel austreibt, fuͤr die Peterskirche. Unter der Zeit hatte ſichRomanelli verheyrathet, und war Vorſteher der Malerakademie von St. Lucas geworden.Sein Beſchuͤtzer, der nach Paris gereiſet war, vergaß ihn in der Entfernung nicht/ſondern redete dem Kardinal Mazarin vielmehr ſo viel gutes von ihm vor, danach Paris beruffen ward. Der Konig nahm ihn nicht nur guͤtig auf, ſondern be-ſuchte ihn oft, nebſt der ganzen Hofſtaat, wenn er arbeitete. Als er einſt dieſenvornehmen Beſuch empfieng, malte er die Hofdame, welche ihm am beſten gefielan der Decke des Saals. Die andern machten ihm deswegen Vorwuͤrfe, er entſchuldigte ſich aber damit, daß er nur eine Hand haͤtte, und nicht alle auf einmal abzeich-nen koͤnnte. Um ſich aus dieſem Handel heraus zu wickeln, ſetzte er die Bildniſſe derandern auch hinzu.
Die Erlaubniß eine Reiſe nach Italien zu thun, erhielte er nicht anders⸗ alsunter der Bedingung bald wieder zu kommen. Auf der Durchreiſe durch Florenzverfertigte er verſchiedne Sachen fuͤr den Grosherzog, und in ſeiner Vaterſtadt fürden Biſchof das Bild des hohen Altars, welches den heiligen Laurentius vorſtellt ·Daͤhrend ſeines kurzen Aufenthalts in Rom, beneideten ihn alle andern Maler we-gen ſeiner Geſchicklichkeit: er konnte aber nicht viele Sachen zu Stande bringen weier einen Befehl uͤber den andern erhielt, die Ruͤckreiſe nach Paris zu beſchleungen. Er gehorchte, und wurde von dem Koͤnige ſehr gnaͤdig empfangen. Er muſtedas Bad der Koͤnigin im alten Louvre malen, und darinn verſchiedne Stuͤcke aus deAeneide des Virgils vorſtellen. Bey dieſer Arbeit that er einen gefaͤhrlichen Favom Geruͤſte, und der Konig trug ſeinen Leibaͤrzten auf, alle moͤgliche Sorgfalt iden Kuͤnſtler anzuwenden. Dieſe Gemaͤlde machten dem Romanelli groſſe Ehre/Konig bezablte ihn reichlich, ernannte ihn zum Ritter von St. Michael, und wollteihn gerne auf Lebenslang in Paris behalten: allein ſeine zahlreiche Familie/ welcheer in Italien zuruͤckgelaſſen, noͤthigte ihn, nach einem Auffenthalte von zwey ahreneine zweyte Reiſe in ſeine Heymat zu thun, in der Abſicht, ſeine Frau und Kinde.nach Frankreich zu holen. Bey ſeinem diesmaligen Auffenthalte zu Rom, ma 108fuͤr einige Kirchen und Pallaͤſte, und begab ſich nach Viterbo, um Anſtalt zük 1nach Frankreich zu machen. Allein der Tod verhinderte ihn daran. Er ſtarb 1 6den Zurüͤſtungen 1662. im fünf und vierzigſten Jahr ſeines Alters, und hinterlioſechs Kinder, von denen der aͤlteſte Sohn Urbano Romanelli die Kunſt bey ihmlernet, und nachgehends unter Ciro Ferri gearbeitet hat. Die meiſten Werke diesenKuͤnſtlers beſtehen in groſſen Gemaͤlden fuͤr Kirchen, und auf naſſem Kalk; daher main den Gallerien oft vergebens nach ihm fragt.
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