196 Rap. 23. Von den beruͤhmteſten Aupferſtechern der ItalienerDas 23. Kapitel.
Von den beruͤhmteſten Kupferſtechern der Italienerdem Marco⸗Antonio, und andern. a)
Die Italiener wollen die Erfindung der Kupferſtecherkunſt gern ihrer Nation zu-eignen, ſie behaupten, daß andre ſolche erſt von ihnen gelernet, und geben denuͤbrigens verdienſtvollen Andreas Mantegna fuͤr den Urheber derſelben aus. Vaſarimeldet, dieſer habe die Kunſt den Goldſchmieden, wenn ſie mit dem Grabſtichel Laub-werk, Grotesken und dergleichen in Silber graben, abgeſehen, ſolches nachgemacht,das eingeſchnittene darauf geſchwärzt, und auf naß Papier abgedruckt. Auf dieſeArt habe er angefangen in Kupfer zu ſtechen, und ſeine Werke herauszugeben, wo-von es nachgehends Martin Schoͤn in Teutſchland erlernet haben ſoll.
Allein die Mißgunſt, und die Begierde alles in den ſchönen Kuͤnſten erfundenzu haben, ſind Schuld, daß die Italiener einen offenbaren Irrthum begehen, und dafVaſari wider die Wahrheit ſchreibt. Die Ehre des Kupferſtechens und Holzſchneidens gebuͤhret den Deutſchen eben ſo, wie die Erfindung der Buchdruckerkunſt. Man-tegna machte den Anfang mit ſeiner Kunſt um das Jahr 15003 lange zuvor, und viel-leicht ehe er gebohren wurde, hatte man ſchon in Deutſchland Kupferſtiche gemacht.Wir haben die Geſchichte dieſes Mantegna oben im 26. Artickel beruͤhrt. Albert Duͤrerſtiftete mit ihm eine Bekanntſchaft, Mantegna hatte aber den deutſchen Meiſter zuvoraus ſeinen Blaͤttern von der Paſſion und andern kennen lernen. Die Werke des Du-rers, des Martin Schon, und Israel von Mecheln kamen nach Italien, erregten 5ſelbſt Bewunderung, und munterten die italieniſchen Kuͤnſtler auf, einen Verſuch indieſer neuen Kunſt zu machen.
Marcus Mareus Antonius Raymondi iſt der erſte unter den Italienern, der ſich eineneee, groſſen Nahmen gemacht hat. Seine Werke werden noch heutiges Tages theuer bezahlt,und den Zeichnungen des Raphaels, nach deſſen Gemaͤlden er vornemlich ſtach, beynahgleich geſchäzt. Die Italiener und Franzoſen nennen ihn in ihren Schriften nuMarc⸗Antonio, und ſelten bey ſeinem Familiennahmen. Er war aus Bologna ge öbuͤrtig/ und begab ſich in die Schule des Franciſcus Francia, um die Zeichenkunſt undMalerey bey ihm zu erlernen. Die erſtere begriff er mit glücklichem Erfolg als eihm aber mit der letztern nicht recht von ſtatten gehen wollte, ließ er ſolche legen, ge
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4) Anmerkung. Wir erinnern gleich zu Anfang dieſes Kapitels, daß die Geſchichte der
Kupferſtecherkunſt noch ein ziemlich unbearbeitetes Feld iſt. Es iſt hier der
nicht einen Verſuch damit zu machen, wir haben nur das, was Sandrart davonſagt, mit einigen Zuſaͤtzen und Verbeſſerungen beybehalten. Es ware fuͤr dinFreunde der Kunſt ſehr nuͤtzlich, wenn jemand eine Geſchichte der Kupferſtecherkunſtſchriebe, und zugleich vollſtaͤndige Verzeichniſſe der Werke von den beſten Meiſternbekannt machte. Einen gluͤcklichen Anfang hat von Heineke im zweyten Bande ſei-ner Nachrichten von Kuͤnſtlern und Kunſtſachen mit dem Verzeichniſſe aller Blaͤtter desMarc- Antonio gemacht, und wir wünſchen, daß auf dieſe Art auch die Verzeichniss 15Werke andrer groſſer Meiſter, von eben dieſem Verfaſſer, bey ſeiner weitlaͤuftigen hiſtor-ſchen Kenntniß in dieſem Fache geliefert werden moͤgten. Etwas Vollkommenes zu liefern bnicht eines Mannes Arbeit, wie denn zu dem uͤbrigens vollſtaͤndigen und genauen erzeich-niſſe von den Kupferſtichen des Mare-Antonio bereits in dem zweyten Stuͤcke des neunten Bandes der neuen Bibliothek der ſchoͤnen Wiſſenſchaften Zuſaͤtze dazu geliefert worden.