258 Kap. 11. Von Johann von Montfort,
ſelten ſeyn muͤſen: ſie werden aber von Kennern wegen ihrer Schönheit geſchaͤtz.72 Lierre beſchloß ſein Leben im Jahr 1583. ein Jahr vor der Belagerung vontwerpen.
92. Peter und Franz Porbus.
Bey der Menge der niederlaͤndiſchen Kuͤnſtler, und der Dunkelheit, welche 1den Nachrichten von ihren Lebens umſtaͤnden herrſcht, iſt es ſchwer von allen Kuͤnſk-lern etwas zuverlaͤßiges zu ſagen. Sandrart hat allen Fleiß angewandt, das Anden-ken vieler zu erhalten, die ſonſt in Vergeſſenheit gerathen ſeyn würden. Unter die
Zahl derſelben gehoͤrt auch der aͤltere Porbus.
Peter Porbus war aus Gouda gebürtig, hielte ſich aber zu Bruͤgge in Flur,dern auf. Er war ein guter Feldmeſſer, und muſte die Stadt Brugge nebſt der 96liegenden Gegend, fuͤr die Herrn dieſer Stadt aufnehmen, und eine groſſe Charte 1von verfertigen. Er malte verſchiedne Altarblaͤtter, als zu Gouda den heiligen nbertus, und auf den Thüren dieſes Gemaͤldes, gedachten Helligen, wie er von 55Geiſtern verſucht wird, nebſt einigen von ihm bekehrten Frauensperſonen. Das Bi e.niß des Herzogs von Alencon wurde fuͤr eines der ſchoͤnſten Bilder damaliger Zeil 9halten. Peter Porbus ſtarb ohngefehr um das Jahr 1583.terricht
Franz Porbus, des vorigen Sohn, gieng, nachdem er des Vaters Ungenoſſen, in die Schule des Franz Floris, und wurde unſtreitig einer von deſſen besenLehrlingen. Floris ſelbſt ſoll ihn zuweilen ſeinen Meiſter genannt haben. ranz 5blickte die Welt im Jahr 1540., und zeigte gar fruͤhzeitig eine groſſe Anlage zur 85lerey. Die Malerakademie zu Antwerpen nahm ihn 1564. zum Mitgliede auf. 19glaubte deswegen nicht vollkommen zu ſeyn, ſondern wollte vielmehr zur Erwerbu.mehrerer Kenntniſſe eine Reiſe nach Italien thun. Allein die Liebe machte 3Strich durch die Rechnung, und verband ihn 1566. mit ſeines Meiſters Floris Wders Tochter. Dieſer Kuͤnſtler war ſo wohl ein guter Portrait als Hiſtorienne. ttund hat in beyden Arten vortrefliche Denkmale hinterlaſſen. Mit eben der 0fuͤhrte er die Thiere aus, wie man denn ein Paradies von ihm hat, darinn alle 5tungen von Thieren ungemein natuͤrlich und fleißig gemalt ſind. In der Johankirche zu Gent trift man von ihm eine Taufe, und auf der Thuͤr eine Beſchneidunan, und in einem Kloſter zu Oudenarde die heiligen drey Koͤnige.
Die Behandlung in dieſes Kuͤnſtlers Gemaͤlden iſt ſchoͤn, das Kolorit wohl 05waͤhlt, und die Manier kraͤftig. Es fehlte ihm nichts als eine leichtere Zei geitund ein edler Ausdruck, den er gewiß erreicht haben wuͤrde, wenn die obgeda 190nach Italien zu Stande gekommen waͤre. Die Urſache ſeines Todes war ſon fEr bekleidete eine Faͤhnrichsſtelle unter der Buͤrgerwache; Bey einer gewiſſengenheit wollte er ſich in Schwenkung der Fahne zeigen, erhitzte ſich ſehr daben ielegte ſich darauf im Wachthauſe nieder, wo ihm theils die friſche Luft, theils die 19Reinigung eines Kanals in der Nachbarſchaft verurſachten boͤſen Ausduͤnſtungen arbKrankheit zuzogen, worauf ein ſchleuniges Ende im Jahr 1580. erfolgte. Er f 309 3 ein paar Jahre vor dem Vater. Man machte folgende vier Zeilen ihm
Patre fuit Pictore ſatus Porbuſius, arteVerum Patre prior: Sic monumenta docent.Vivunt, quas pinxit pecudes, pictaeque volucres,Pictoris lugent quae ſimul interitum.