264 Kap. 13. Von Carl von Mander,
bemittelter Mann, und ein groſſer Liebhaber war, bezahlte ſeinen ehemaligen Lehretauf eine ſehr freygebige Art, indem er ohne Aufhoͤren ihm ſo viel Dukaten hinzehlte/daß dieſer einmal uͤber das andere ſagte, es waͤre genug, und ſich endlich genoͤthigetſahe, ihn mit Gewalt davon abzuhalten.
Hemskerken erwarb ſich ſo viel Vermögen, daß er ſeinen Kindern nicht nur et-was anſehnliches hinterließ, ſondern auch uͤberdieſes noch anſehnliche Vermaͤchtniſſe ſti-tete, mit denen zum Theil ſonderbare Klauſeln verknuͤpft waren. Die Einkuͤnfte eineswiſſen Gutes beſtimmte er zu jaͤhrlicher Ausſtattung armer Maͤdgen, mit der Bedingungdaß ſie am Hochzeittage auf ſeinem Grabe tanzen ſollten. Dies geſchiehet noch heu-tiges Tages. Seinem Vater errichtete er auf dem Gottesacker zu Hemskerken einePyramide von blauen Steinen mit deſſen Bruſtbilde, und vermachte ein Kapital zurUnterhaltung deſſelben, mit dem ausdruͤcklichen Zuſatze, daß es ſeinen Nachkommenwiedet anheim fallen ſollte, ſo bald die Vorſteher dies Denkmal eingehen laſſen würden.
Hemskerken aͤtzte mit eigner Hand ſehr ſauber in Kupfer. Wir haben verſchied-ne Schlachten von Carl V. von ihm, doch iſt die von Pavia, wo Franciscus I. gefl.gen wurde, von Cornelius Bos. Ehemals ſahe man zu Alemar bey einem ſel 6Verwandten, mehrere Bildniſſe in verſchiednem Alter von ihm, die er ſelbſt in Oefarben gemalt hatte. Hemskerken beſchloß ſein Leben 1574. im 76. Jahre. SeinBildniß zeigt die Platte C. C.
100. Nicolaus Neufſchatel.
Nicolaus Neufſchatel, ſonſt auch Lucidel genannt, lernte die Malerey um daßJahr 1540. in Bergen in der Grafſchaft Hennegau, und wurde ein vortreficher Partratmaler. Er wandte ſich nach Nurnberg, wo das meiſte von ſeiner Arbeit geswerden muß. Seine Bildniſſe haben das Verdienſt der Aehnlichkeit, und ſind überdieſes gut gezeichnet, und kolorirt. Hiſtoriſche Stucke findet man nicht von dieſenMeiſter. Weiter iſt nichts von ihm bekannt, als daß er um das Jahr 1600. geſtor-ben. Sandrart hat dieſe Nachrichten aus einer Handſchrift des alten Juvenel enommen. Der alte Juvenel war ein Niederländer, und begab ſich nach NürnbergEr uͤbte die Malerey daſelbſt aus, beſaß eine beſondere Staͤrke in der Perſpektib/ 10ſtellte nach derſelben in ſeinen Stuͤcken gemeiniglich Tempel und Kirchen vor. 5ſtarb 1507. und hinterließ einen Sohn Paul Juvenel, der in des Vaters Geſchmaarbeitete. Er konnte andre Manieren gluͤcklich kopiren, wie er denn nach Albertrer eine Himmelfahrt Maria kopirte, die jedermann fuͤr das Original anſahe. 9hielte ſich lange in Wien auf, und waͤhlte endlich Presburg zu ſeinem Wohnplatze 5er 1643. ſtarb. Seine vier Kinder legten ſich alle auf die Perſpektiomalerey.
Das 13. Kapitel.Von Carl von Mander, und funf andern Kuͤnſtlern.
101. Carl von Mander.
Wi kommen auf einen Kuͤnſtler, der zugleich Dichter und Geſchichtſchreſwar, und der um die Kunſt ſelbſt, und um ihre Geſchichte viel Verde,hat. Es iſt der ſchon oft von uns angeführte Carl von Mander, welcher zu eko;beck unweit Courtray im Jahr 1548. gebohren war, und aus einer angeſehenen fenemilie ſtammte. Sein Genie zur Malerey aͤuſſerte ſich eben ſo bald, als das 99zur Poeſie. Entweder er machte Verſe, oder er beſchmierte alle Waͤnde eg