270 Kap. 13. Von Carl van Mander,
konnten, weil deren Unterricht ihm zu muͤhſam war, und durfte faſt fuͤr niemand alsfür den Kaiſer arbeiten. Daher ſind ſeine Arbeiten ungemein ſelten. Dieſer Vorzugkraͤnkte den Mont ſehr„er verließ deswegen heimlich den Hof, und gieng nach vielenwunderbaren Schickſalen endlich nach Konſtantinopel, wo er als ein Mahometanelſtarb. Dies iſt um ſo mehr zu bedauern, weil er ein guter Kuͤnſtler, und einerbeſten Schuͤler des Johann von Bologna war.
c Spranger wurde uͤber dieſen Verluſt ſeines Freundes ſo verdrießlich, daß erſich von dem Hofe entfernte, und anfieng fuͤr Privatperſonen zu arbeiten.Kaiſer, welcher zu ſehr an den Kuͤnſtler gewohnt war, befahl, ihm ſo viele Verſprtechungen zu thun, daß er ſich endlich bereden ließ, aufs neue in kaiſerliche Dienſte;treten. Er erhielte auch ein ſchoͤnes reiches Maͤdgen, welche der Vater ihm nicht geben wollte, durch des Kaiſers Fuͤrſprache zur Frau. Spranger ſieng nunmehr m1neuem Eifer an fuͤr ſeinen Wohlthaͤter zu arbeiten, und lieferte viel Stuͤcke, welder Kaiſer meiſtentheils in die Kirchen verſchenkte. Er malte ſein eignes Haus volauſſen und von innen. Eines der ſchoͤnſten Bilder dieſes Kuͤnſtlers ſieht man bey deme ſeines Schwiegervaters in der Johanneskirche. Es ſtellt die AuferſtehungChriſti vor.
Auf dieſe Art genoß Spranger ſiebenzehn Jahre die Gnade ſeines Fuͤrſten, wardaber nicht reich, weil er uneigennuͤtzig war, viel verſchenkte, und oft mehr fuͤr feineFreunde, als fuͤr ſich ſelbſt ſorgte. Im Jahr 1588. erhob der Kaiſer ihn nebſt alleſeinen Nachkommen in den Adelſtand, und gab ihm den Nahmen von dem Schilde,den ſie lange gefuͤhrt haben. Er hieng ihm bey oͤffentlicher Tafel und in Gegenwardes ganzen Hofes eine goldne Gnadenkette um den Hals. Als Spranger nun genfuͤr den Kaiſer gearbeitet hatte, ward er ſeiner Dienſte, doch mit der Bedingung/
daß er zuweilen etwas fuͤr den Hof malen muſte, erlaſſen.
Unſer Kuͤnſtler machte ſich ſeine erhaltene Freyheit zu Nutze und fuͤhrke denVorſatz, ſeine Familie und die niederlaͤndiſchen Kue 7 0 1 1 beſacenaus, nachdem er 37, Jahre aus dem Vaterlande abweſend geweſen. Der Kaiſerſchenkte ihm 1000. Gulden zur Reiſe. Man empfieng ihn in allen niederlaͤndiſchenStädten mit beſonderer Achtung, und brachte ihm an einigen Orten im Nahmen deStadt ſo gar gewiſſe Ehrengeſchenke an Wein und dergleichen. Waͤhrend der Ab-weſenheit ſtarben ſeine Frau und Kinder: dies machte ihn ſo niedergeſchlagen/ aß
nach der Zuruͤckkunft faſt gar nichts mehr arbeitete, und bald darauf in einem ziem h15 62 ſtarb. Das Jahr ſeines Todes iſt ungewiß. Sein Bildniß zeigt die
atte D. D.
70. Joas von Wingen.
Joas oder Jodocus von Wingen erblickte die Welt im Jahr 1544. zu B üſſl,Nach Erlernung der erſten Anfangsgruͤnde in der Malerey, 19 05 die Lust es 9ber zu bringen an, zu reiſen, und vornamlich Italien zu beſuchen. Er bra te biJahre in Rom zu, nach den daſigen merkwuͤrdigſten Kunſtwerkern zu ſtudiren⸗ 0 K-wurde dabey von einem gewiſſen Kardinal grosmuͤthig unterſtuͤtzt. Nach der ickekunft wurden ſeine Talente in Bruͤſſel gar bald bekannt. Eines ſeiner ſchönſten Srl deſieht man daſelbſt in der St. Goelenkirche, es iſt ein heiliges Abendmahl, dazu Paul.Vries die Architektur gemalt hat. Der Prinz von Parma nahm ihn in ſeine D enenEinige Zeit darauf gefiel es dieſem Künſtler nicht länger in Brüſſel;z er ſchlug dr 155Ende den Otto Vaͤnius bey dem Prinzen vor, welcher dieſen Maler auch an ah 1und den von Wingen 1584. nach Frankfurt am Mayn reiſen ließ wo er die E. 96