272 Kap. 14. Von Cornelius Kettel, Seinrich Golzius,kolorirt, und die Farben rein aufgetragen. Sich ſelbſt malte er unter der Geſtalt
des Demokrits, und einen gewiſſen Moroſini als den Heraklit ab. Kettel ſagte g,male deswegen mit den Fingern, um zu zeigen, daß ein Maler von Genie aller
ſtrumente entbehren koͤnne.
Man hat auch Architekturſtuͤcke von ihm. Weil er Verſe machte, ſo hal 5viele von ſeinen Gemaͤlden mit allerley Inſchriften, Emblemen, und dergleichen 2ſehen. Er beſaß auch viele Geſchicklichkeit im Modelliren, ſowohl in Wachs, 1Thon. In einem Bilde von Chriſtus mit den zwoͤlf Apoſteln, hat er die Koͤpfe der 1mals lebenden Kuͤnſtler und Liebhaber angebracht. Aus dem nach Ketteln geſtocheneBlattern zeigt ſich, daß es ihm nicht am Geiſt und Erfindung, wohl aber an lrichtigen Zeichnung fehlte. Er ſtarb am hitzigen Fieber ziemlich jung, als er in Begk!war den Koͤnig von Daͤnnemark abzumalen.
Anmerkung. Van Mander ſagt, er habe noch im Jahr 1600. gelebt, und
muß alſo wenigſtens 52. Jahre erreicht haben, und nicht ſo jung geſtorben ſeyn, alsman meint. Ueberhaupt iſt dieſer ganze Artickel unrichtig, wenn dem..camps zu trauen. Vermuthlich iſt Kettel nicht nach Italten gekommen; ſonde ndie italieniſche Reiſe, der Tod, welcher ihn, als er im Begrif geweſen den Koͤnig 5Daͤnnemark zu malen, uͤberraſcht, und das hitzige Fieber ſind alles Umſtaͤnde, diedas Leben von Kettels Schuͤler, den Iſaac Oſeryn, der in daͤniſche Dienſte gieng-gehoͤren. Siehe den Descamps im 1. Theil S. 202.
108. Henricus Golzius. 1
Henrich Golzius ſtammte aus einer Familie, die von jeher geſchickte Mann.in der Kunſt hervorgebracht hat, wie wir denn auch bereits oben Nummer 5 üHubert Golzius angezeigt haben. Henrich erblickte die Welt im Jahr 1558. zu? einlebrecht, einem Dorfe im Herzogthum Juͤlich. Sein Vater Johann Golzius wal 15Glasmaler, und fuͤhrte den Sohn, der bereits im achten Jahre die deutlichſten Spiren eines groſſen Genies zeigte, zu ſeiner Kunſt an. Weil der Sohn aber beſtan bfuͤr den Vater arbeiten muſte, und nicht Zeit hatte fuͤr ſich zu ſtudiren, ſo wardes Malens uͤberdruͤßig, und legte ſich aufs Kupferſtechen. Als Cornhert etwas voſeinen Zeichnungen zu Geſichte bekam, bat er den Vater ihm den Sohn ein 1Jahre in Harlem zu laſſen. Henrich gieng zwar mit ihm, fuhr aber fort fuͤr ſich 5Kupferſtechen zu uͤben, ohne bey Cornhert ordentlich in die Schule zu gehen/ 1brachte es in kurzer Zeit dahin, daß Cornhert ihn nicht als Schuler ſondern als Mſter gebrauchte.
Golzius arbeitete eine Zeitlang fuͤr Cornhert, und Philipp Galle. Im 4Jahr heyrathete er eine Wittwe, und bildete aus ſeinem Stiefſohne Jakob Mathe 5einen geſchickten Kupferſtecher. Nicht lange darauf ſtellten ſich wegen ſeiner frühentigen Heyrath Sorgen und Kummer ein, welches ihn ſo angrif, daß er ganz 45 7wurde, und das Blutſpeyen bekam. Die Aerzte riethen ihm, die Veraͤnderung alLuft zu verſuchen, weswegen er den Entſchluß faßte, Italien, worauf laͤngſtens anneſeine Wuͤnſche gerichtet waren, zu beſuchen. Er ließ deswegen ſeine Familie, 15Schuͤler, und Kupferdrucker zuruck, und ſeegelte nach Hamburg; von da durch derderte er Teutſchland, und beſuchte aller Orten in Begleitung eines Bedienen aſich fuͤr den Herrn ausgeben muſte, die Kuͤnſtler, und hoͤrte unter dieſer Verklei 1ſeine Werke deſto freyer beurtheilen. Die Veraͤnderung der Luft, die Bee 0die Aufmunterung des Gemuͤths, alles trug zur Wiederherſtellung des Kuͤnſtlersund er war vollkommen geſund, ehe er noch in Italien anlangte.
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