274 Kap. 14. Cornelius Kettel, Seinrich Golzius,
gemacht, damit ſie ein altes Anſehen haben ſollten. Auf der Meſſe zu Frankfurt wuderten ſich die Liebhaber uͤber die unbekannten Blaͤtter von Duͤrern, hielten ſie fürOriginale, und kauften ſie begierig auf, um ihre Sammlungen dadurch vollſtaͤndig 5machen. Endlich entdeckte ſich Golzius, und zeigte ihnen die von ihm geſtochene Platen. Dies bewog die Liebhaber in der Folge glimpflicher von Golzius zu urtheilen.
Als etwas ſonderbares iſt von dieſem Kuͤnſtler anzumerken, daß er erſt im 15Jahre anfieng, ein Maler zu werden. Er hatte ſich die edlen Gedanken des 6phaels, das gefällige des Corregio, und das ſchoͤne Kolorit des Tizians ſo feſt inGedaͤchtniß gepraͤgt, daß er davon einen glücklichen Gebrauch machte, als 92 5Pinſel ergrif. Er malte ſo wohl mit Oel- als Waſſerfarben, und zeigte in ſeinenGemaͤlden eine gute Kenntniß des Nackenden, richtige Umriſſe, und ein mit der Mastur uͤbereinſtimmendes Kolorit. Er gab ſeinen Werken eine ihm eigne Glaſirung/und ſetzte nachgehends noch gewiſſe Drucke hinein, die eine groſſe Wirkung thatelgEines ſeiner merkwuͤrdigſten Bilder ſoll eine Dange geweſen ſeyn. Man weiſe 4Bildniſſe von ihm auf. Ob er gleich erſt ſo ſpaͤt anfieng zu malen, ſo hat er doch leziemliche Anzahl Gemaͤlde zu Stande gebracht, die zum Theil in der Wiener Gallerzum Theil in andern Sammlungen aufbewahrt werden.
Golzius ſchaͤtzte die Freyheit ſehr hoch, und war mehr ehrgeizig als eigenniteweswegen er ſich auch zum Gedenkſpruch gewaͤhlt hatte: aurum aequat hond an;ſollte einmal ein paar polniſche Prinzen malen, und forderte in Gegenwart ihres V nt-kiers in Harlem eine Summe, welche dieſem zuviel deuchte, ſo daß er ſich nicht 11halten konnte, zu ſagen: auf dieſe Art muͤſſen die Kuͤnſtler weit mehr verdienen a 4 4Kaufleute. Golzius gab ihm mit Lächeln die Antwort: Die Kaufmanſchaft kann abermit der Kunſt nicht vergleichen, denn mit Gelde kann man leicht ein Kaufmann, akeinesweges ein Kuͤnſtler werden.
Verſchiedne gute Schuler ſind durch des Golzius Unterricht gebildet wiendarunter Jacob Matham ſein obgedachter Stiefſohn, de Gheyn, und Peter de 9von Antwerpen den vorzuͤglichſten Platz verdienen.
109. Henricus Cornelius Vroom. 0
Henricus Cornelius Vroom wurde 1566 zu Harlem geboren, verlohr hVater einen Bildhauer, fruͤhzeitig, und lernte die Anfangsgruͤnde der Malereh berſeinem Stiefvater Cornelius Hendricks, einem Porcellanmaler. Weil dieſer ihn metwas hart begegnete, verließ er ſolchen, und begab ſich auf Reiſen. Er durch alderte die niederländiſchen Städte, und kam bis nach Rom, wo er an den ochaft-von Medicis einen Goͤnner, und an Paul Bril einen Freund, der ihm in der Landtagemalerey gute Anweiſungen gab, antraf. Darauf beſuchte er die Lombardey, zuruͤber Lyon und Paris zuruͤck, und ſuchte aller Orten ſo viel zu verdienen, als nzReiſe brauchte. Nachdem er ein Jahr zu Hauſe geweſen, ſeegelte er nach 0 men.um ſeines Vaters Bruder zu beſuchen, und dort einige Arbeiten zu überneh g.Kaum war er wieder ein Jahr zu Hauſe geweſen, ſo wollte er einige von eine baumlereyen ſelbſt nach Spanien bringen, verlor aber alles in einem Sturm, und kammit dem Leben davon.
Vroom legte ſich inſonderheit auf Marinen, und malte in denſelbenmit Volke beſetzte Ufer, Felſen, Schlöſſer, und was ein Seeproſpekt Neſſenwechſelndes zeigen kann. Die Menge von Studien, die er auf ſeinen vielen mustegemacht hatte, ſebzten ihn in den Stand, alles nach der Natur vorzuſtellen. de zwegen