282 Kap. 15. Von Johann von Acken,
der Schule des wahren Kolorits. Unter allen daſigen groſſen Meiſtern efiel ihm Tin.torets Manier vorzuͤglich, deswegen ſuchte er derselben ſowohl in Keen„ als auchim Ausdruck, und der Stellung der Figuren nachzuahmen. Er behielt ſolch Lebens-lang bey, wiewohl ſeine Gemaͤlde doch immer etwas maniertes, und gothiſches ver
rathen.
Rottenhammer hielte ſich einige Jahre in Venedig auf, nahm daſelbſt eineFrau, und ließ ſich ſeine kleinen Stuͤcke auf Kupfer theuer bezahlen, wiewohl er auchgroſſe Kirchenſtuͤcke verfertigte, wenn ſich die Gelegenheit ereignete, zum Exempe!!eine Verkuͤndigung Maria, in der Kirche des heiligen Bartholomäus teutſcher Nation.Er dachte nunmehr wieder auf die Heimreiſe, um ſein Gluͤck in Deutſchland zu velſuchen, und ſchlug den Wohnplatz in Augſpurg auf. Man findet in den daſigen Kis,chen Merkmale ſeiner Geſchicklichkeit, als in der Kirche zum heiligen Kreutz eine Glo-rie aller Heiligen, zu St. Ulrich ein ſchoͤnes Altargemaͤlde, und ſo weiter.
Rottenhammer liebte die Vorſtellung nackender Figuren, um ſeine Geſchiclchkeit darinne zu zeigen. Er arbeitete beydes mit Oelfarben, und auf naſſem Kalk. 1ſeinen Köpfen herſcht viel Gefälliges, und uberhaupt in den meiſten Zuſammenſetzubgen Anmuth. Die kleinen Gemälde ſind mehrentheils mit artigen Maͤdgens ausgeziert, und mit vielem Fleiß ausgefuͤhrt. Paul Bril und der Sammt Breugel haben 1manchen von ſeinen hiſtoriſchen Stuͤcken die Landſchaften gemalt. Ein Goͤttermafur den Kaiſer Rudolph, und ein Tanz von Nymphen fuͤr Ferdinand, den Herzogvon Mantua, werden unter die vorzuͤglichſten Werke dieſes Meiſters gezehlt.
Der vielen Gemälde ungeachtet, welche Rottenhammer fuͤr die groͤßten Fürſehgemacht hat, und die ihm theuer bezahlt wurden, lebte er in einem beſtaͤndigen angerdaran ſeine unordentliche und verſchwenderiſche Lebensart ſchuld war. Er ſtarb 5Jahr 1604. und zwar in ſo armſeeligen Umſtaͤnden, daß ſeine Freunde die egrab-nißkoſten zuſammen ſchieſſen muſten.
8 121. Joachim Uytenwael. 455Joachim Uytenwael erblickte die Welt 1566. zu Utrecht, und lernte bis u.achtzehnte Jahr bey ſeinem Vater, einem guten Glasmaler. Weil er bey demſecaber nicht viel ſchoͤnes ſahe, und gleichwohl Luſt hatte, es weiter in der Küntebringen, und vornämlich die Oelmalerey zu lernen, ſo hielt er ſich ein paar Johnbey einem gewiſſen mittelmaͤßigen Kuͤnſtler, Joſeph von Beer auf, und trat alsdar,die Reiſe nach Italien an. Er beſuchte die vornehmſten Staͤdte dieſes fuͤr die King,ler ſo merkwuͤrdigen Landes, und ward zu Padua mit dem Biſchofe von. 1bekannt. Dieſer behielt ihn bey ſich, nahm ihn mit nach Frankreich, und ließ ibein paar Jahre in ſeiner Reſidenz fuͤr ſich arbeiten.je Nieder,
untenwael kehrte darauf als ein geſchickter und geuͤbter Kuͤnſtler in d 0lande zuruͤk. Er malte groſſe und kleine Gemaͤlde mit gleicher Kunſt. Sie bun 5alle etwas pikantes, ein gutes Kolorit, und gluͤckliche Zuſammenſetzung. Die ge. 1nung iſt meiſtens richtig, doch fallt ſie in Anſehung der Umriſſe, und gezwungen,Stellungen etwas ins manierte. Seine Gewaͤnder ſind nicht nach dem Leben, 10dern nach der Einbildung gemalt, und daher nicht natuͤrlſch. Er verfertigte n derhiſtoriſche Gemälde, ſondern auch bey den Hollaͤndern ſogenannte Binnehuis es 0 4das inwendige von Kuͤchen und dergleichen. Unter ſeine beſten Gemaͤlde, wart 1mit ſeinen Toͤchtern gezehlt. Die Zeichnung war darinn richtiger, als gemeinigli eines
nackende; der Natur gemäß, und die Anordnung in einen groſſen Stil. Ei tler
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