286 Kap. 16. Von Rubens, Uffenbach, Elzhaimer,
verlangte ihn nach Villavicioſa, als er aber hoͤrte, daß Rubens mit einem fürstlichenGefolge käme, ſchickte er ihn aus Furcht, der Beſuch moͤchte zu koſtbar werden, einen Cavallier mit 50. Piſtolen entgegen, mit der Bitte, die Reiſe bis auf ein ander-mal zu verſchieben, und das Geſchenk zur Schadloßhaltung wegen der aufgewandteReiſekoſten anzunehmen. Rubens, der nur noch eine Tagreiſe von Villavicioſa/Reſidenz des Herzogs, entfernt war, ſchickte das Geld zuruck, und ließ dem Herzeſagen, er kaͤme nicht um zu malen, ſondern nur ſich einige Tage luſtig zu machen/ 55habe zu dem Ende ſelbſt 1000. Piſtolen mitgebracht.
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Nachdem Rubens ſechs Jahre in des Herzogs von Mantua Dienſten geſta
den, gieng er nach Rom, kopirte daſelbſt noch einige Stuͤcke fuͤr denſelben, und ·ſich von ihm die Erlaubniß aus, nunmehr von ſich allein abzuhangen. Er ſtudirtedarauf mit groͤßtem Fleiſſe nach den Antiken, nach Raphael, und andern groſſenMeiſtern der roͤmiſchen Schule, verfertigte verſchiedne Gemälde, und beſuchte daraufVenedig. Hier nahm ihn das glänzende Kolorit der venezianiſchen Schule ganz eil-Er verliebte ſich ſo darein, daß er dieſen Theil der Malerey vorzüglich ausarbeitete ·Dieſe Neigung behielt er Lebenslang. Alle ſeine Bilder zeigen das ſchoͤnſte lebhaf-teſte Kolorit, hingegen wuͤnſcht man immer, er haͤtte die richtige Antike, und die 2miſche Schule in der Zeichnung, zur Nachahmung gewaͤhlt, und ſich nicht durch dieplumpen niederlaͤndiſchen Formen hinreiſſen laſſen.
Als er ſich im Kolorit feſtgeſetzt hatte, gieng er abermals nach Rom, fiengvon neuem an zu ſtudiren, konnte ſich aber dem ohngeachtet, von dem ihm ankleben,den Geſchmack in den niederlaͤndiſchen Figuren, nicht befreyen. Einige in Rom befertigte Altargemälde beweiſen es, die nichtsdeſtoweniger, wegen andrer Vorzug,ihrem Meiſter damals viel Beyfall erwarben. Von Rom wandte Rubens ſich naGenua, und hinterließ daſelbſt verſchiedne Denkmale ſeiner Kunſt. Waͤhrend feinesAufenthalts zeichnete er die ſchoͤnſten Palläſte, woran Genua reich iſt, ſorgfaͤltg 0ließ ſie durch geſchickte Kuͤnſtler in Kupfer ſtechen, und gab ſie in einem Bande in a0heraus. Eine wiederholte Auflage beweiſet, daß er den Liebhabern der Baukundadurch einen ſchaͤtzbaren Dienſt geleiſtet.
Rubens war mit den wichtigſten Arbeiten beſchaͤftiget, als er ſich genöthigelſahe/ ſolche auf einmal abzubrechen, um ſeine auf den Todbette liegende Mutter netezu ſprechen. Sie lebte nicht mehr, als er zu Antwerpen anlangte. Dies ſchmerztihn dergeſtalt, daß er ſich auf eine geraume Zeit in die Abtey St. Michael begab 5 55Beſuche abwieß, und in der Einſamkeit ſeine Beſchaͤftigung theils in den Wiſſenſchaten, theils in dem Pinſel ſuchte.
Nachdem die erſte Betruͤbniß voruͤber war, gedachte Rubens die Stadt, welche ihm nach dieſem Verluſte zuwider war, zu verlaſſen, und aufs neue nach Mantugzu gehen. Allein der Erzherzog Albert wollte nicht zugeben, daß ein Kuͤnſtler, 4den Niederlanden ſoviel Ehre machte, ſie wieder verlaſſen ſollte. Theils dieſe Paſtellungen, bauptſaͤchlich aber die Liebe zu einer ſchoͤnen Perſon, die ihm nachgeht 4als Frau oft zum Modelle diente, bewogen ihn endlich da zu bleiben. Er beirathet 1dieſelbe, und bauete ſich ein praͤchtiges Haus, darinn ſein auserleſenes und auf Rei 15geſammletes Kabinet aufgeſtellet wurde. Dieſer herrliche Schatz, worin Nude,ſein einziges Vergnügen ſuchte, kam nachgehends in die Haͤnde des Herzogs von AtKingham, welcher den Beſitzer nicht eher Ruhe ließ, und ſich denſelben auf ſo viele Averbindlich machte, bis ſolcher ihm fuͤr 0000. Gulden zu theil ward.
Ruben