296 Kap. 17. Von Daniel und Peter Soriau,
legte, und ſolche ſo meiſterhaft malte. Man bewundert die Sorgfalt, mit der er diekleinſten Glieder der Karnieſſe, und Gewoͤlber der gothiſchen Bauart auszudruckenwußte. Die Haltung iſt meiſterhaft darinn. Er ließ ſeine Gemaͤlde mit geiſtreichenFiguren durch von Tulden, und Breugel ausſtaffiren. Wegen der Kriegsunruhenmuſte er die Niederlande verlaſſen, und auſſerhalb Landes ſeine Sicherheit ſuchen.5 5 ſich nach Frankfurt am Mayn, wo er auch im Jahr 1603. ſein Leben be-chloß.
Dieſer Heinrich Steenwyck hinterließ einen Sohn gleiches Nahmens, welcherdaher von verſchiednen Schriftſtellern mit dem Vater verwechſelt wird. Ein gleicherIrrthum fällt auch oft mit den Gemälden dieſer beyden Küͤnſtler vor, weil der Sohnals ein Schuler des. Vaters, deſſen Manier genau nachahmte, und eben die Akt desMalerey waͤhlte. Seine Stuͤcke werden von Kennern, denjenigen die der Vater gemalt hat, vorgezogen; und ſind viel ſeltner, weil er meiſtens fuͤr den König Carl J.in England gearbeitet hat. Van Dyck machte ihn am engliſchen Hofe bekannt. Die-ſer beruͤhmte Kuͤnſtler hielte viel auf Steenwycks Arbeit, und ließ durch ihn zu vielenBildniſſen die architektoniſchen Hintergruͤnde verfertigen. Er ſtarb in den eſtenJahren zu Londen.
Seine hinterlaſſene Wittwe, welche die Perſpektivmalerey bey ihrem Manneerlernt hatte, wandte ſich nach Amſterdam, wo ihre Arbeit geſucht wurde, und ihrein reichliches Auskommen verſchafte.
Es giebt noch einen Nicolaus Steenwyck, welchen man nicht mit den beydelHenrichen verwechſeln muß. Dieſer lebte zu Breda, und war auch vermuthlich al
dieſer Stadt gebuͤrtig. Er malte meiſtens moraliſche Sinnbilder, oder Stilleber:Seine Lebensart ſtimmte aber mit den Gegenſtaͤnden, die er vorſtellte, nicht uͤberein!denn man ſagt, er habe ſeine Ausſchweifuͤngen zuletzt mit dem Leben bezahlen muͤſſel-
139. Georg Hoefnagel.
Georg Hoefnagel erblickte die Welt im Jahr 1545. zu Antwerpen. Sein Va-ter, ein reicher Juwelirer, wollte ihn zwingen, dieſen Handel gleichfalls zu erlernelAllein ſein angedornes Talent zur Malerey verrieth sich allenthaben. Wo er gionund ſtund, da zeichnete er, und in Ermangelung eines andern Inſtruments, ſo 16mit dem Stocke im Sande. Es ward ihm verboten, allein deſto mehr reitzte man ſeinBegierde. Von ohngefehr reißte der ſavoyſche Geſandte durch Antwerpen, und ereinen von dem jungen Hoefnagel gezeichneten Rieſen, der ihm ſo wohl geſiel, daß aden Vater uͤberredete, den Sohn bey der Kunſt, zu der er ſo viel Genie zeigte 155laſſen. Der Sohn erhielt dadurch die Freyheit einige Zeit aufs Zeichnen zu wen 0 0Er nahm darauf in kurzer Zeit ungemein zu, legte ſich aber auch zugleich auf die ſchonen Wiſſenſchaften, und die lateiniſche Dichtkunſt.
Hoefnagel gieng jung auf Reiſen, und zeichnete unterwegs die me 1Staͤdte, Feſtungen, und Trachten ab, und gab davon einen Band in Kupfer herlun-In Spanien lernte er mit Waſſerfarben umzugehen, und bey der Zuruͤckkunft in 5 fürdern brachte er es durch den Unterricht des Johann Bol ſo weit, daß man ihn deseinen der beſten Thier- und Pflanzenmaler hielt. Dabey ſetzte er in Geſellſcgaſ ger
rkwürdigſten
Vaters den Juwelenhandel fort. Aber in einer Nacht kamen ſie um ihr ie Fran
moͤgen. Antwerpen wurde von den ſpaniſchen Soldaten gepluͤndert, und ſeingezwungen, anzuzeigen, wo die Juwelen vergraben waren.
Nunmehr