310 Kap. 18. Von Gerhard Sonthorſt,
ſetzlich an zu ſchreien, als wenn er verwundet waͤre. Als die Frau dazu kam, undZeichen einer unverſtellten Betruͤbniß ſpüren ließ, richtete er ſich auf, tröͤſtete ſeeurd entdeckte die Urſache, warum er ihr dieſen Schrecken verurſacht hatte. Inztol-ſchen beſſerte er ſich nicht, ſondern machte es endlich ſo arg, daß er ſich mit ſeinem ge-treuen Gefehrten auf eine Zeitlang aus dem Staube machen muſte. Nach der Wie-derkunft fieng Craesbeck die alte Lebensart wieder an, ob Brouwer gleich unterdeſſengeſtorben war, und beſchloß auch ſein Leben auf eben die Art. Sein Ende erfolgte 1641,
155. Adam Willaerts.
Adam Willaerts war zu Antwerpen 1577. gebohren, und ward ein guterKuͤnſtler, ohne daß man ſagen kann, wer ihn gebildet. Er liebte inſonderheit Land-ſchaften mit Fluͤſſen und Marinen. Man ſieht in ſeinen Stuͤcken wohlgewählte Lasgen, mit kleinen Fahrzeugen beſetzte Schiffe, Meerufer, Seeproſpekte mit Fiſchernachen. Er ſtaffirte ſie mit Figuren aus, die mit vielem Geiſte, nach der Natur ge-macht, und wohl kolorirt waren. Man wird ſich uͤber ſeine lebhaften und reichenErfindungen um ſo weniger wundern, wenn man weiß, daß er ein natürliches Talelzur Dichtkunſt beſaß, und darinne verſchiedne Proben abgelegt hat, die in ſeinem Va-terlande Beyfall fanden. Willaerts waͤhlte die Stadt Utrecht zu ſeinem Aufenthalteund beſchloß auch ſein Leben daſelbſt. Das Jahr, wann ſolches geſchehen, iſt unge;wiß, eben ſo wenig weiß man etwas von ſeinen Schuͤlern.
156. Johann Wilhelm Bauer.
Johann Wilhelm Bauer erblickte die Welt zu Strasburg im Jahr 1610. uwurde unter Friedrich Brentels eines Miniaturmalers Anweiſung, der beſte Kuͤnſtlein der Malerey mit Waſſerfarben auf Pergament, den man faſt aufweiſen kann. 5hat ſich aber auch nie einer andern Art zu malen bedient, und eine unzähliche Meng
von artigen Landſchaften, Proſpekten, Ruinen, Stuͤrmen und dergleichen geliefel!-Er beſaß viel Genie, arbeitete leicht und mit vielem Feuer. Seine Werke wurſtark geſucht, er hielte es aber doch zutraͤglich, erſt nach Italien zu reiſen, um dort nomehr Vollkommenheit zu erreichen.
Nach der Ankunft zu Rom war ſeine Abſicht ſich eingezogen zu halten, 1917
fleißig zu zeichnen; es wurden aber ein paar Stuͤcke von ihm bekannt, die ihn glein den Ruf brachten„ und die Bekanntſchaft der Liebhaber zuzogen. Man lie ihmnunmehr keine Ruhe, er muſte ihre Begierden befriedigen. Inſonderheit fand er 105den Herzog von Bracciano einen grosmuͤthigen Beſchützer. Er machte eine eng,Studien von den beſten roͤmiſchen Ausſichten, Ruinen, Garten, Pallaͤſten, Azuͤgen, Proceßionen und dergleichen, welche er nachgehends in ſeinen Werken 9015 3 anzubringen wußte. Inſonderheit zeichnete er die alten Denkmale ſorgmm-
Um ſich auch in Marinen zu uͤben, that er eine Reiſe nach Neapel, und ſalſl.lete daſelbſt die merkwuͤrdigſten Proſpekte. Allein die Liebe zu einer gewiſſen 11 1merin trieb ihn bald wieder zuruck. Er ſetzte darauf ſeine Studien in den prächtigeGegenden von Tivoli und Frascati fort. Im Jahr 1637. gieng er nach Veneden die vornehmſten Proſpekte, bekam aber bald den Ruf an den Kal
Bey allen dieſen Studien verſaͤumte er, in den Akademien Figuren nuchdem Leben, oder nach den Antiken zu zeichnen, und daher ſieht man in denſelben un,
mer viel unrichtiges, unnatuͤrliches, und gezwungenes, welche Febler er ſonſ ger