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gekrönten Courtisane werden wir das Rußland des achtzehnten
Jahrhunderts in seinem wahren Charakter kennen lernen.
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Abstammung. Ueber Katharinas Abstammung schwebtgeheimnißvolles Dunkel. Wenn die Angaben gewisser Queller,und die scharfsinnigen Untersuchungen einiger Historiker, wieSugenheim, den Thatsachen entsprechen, dann ist die „große"Kaiserin ein Produkt des sittenlosen Lotterlebens, das im vorigenJahrhundert an den europäischen, namentlich auch an dendeutschen Höfen herrschte. Katharina ist nach jenen Unter-suchungen nichts mehr und nichts weniger, als eine natür-liche Tochter Friedrichs des „Großen". Folgen wir denThatsachen, die für diese, von den besoldeten Geschichtsklittercrnnatürlich bekämpfte Vermuthung einen Anhalt geben.
Johanna Elisabeth von Holstein-Gottorp, die Mutter Ka-tharinas, war eine leidenschaftliche oberflächliche Person, diesich 1727, im Alter von 15 Jähren, mit dem Fürsten ChristianAugust von Anhalt-Zei bst, Generalmajor in preußischen Diensten,verheirathete. Der letztere war bereits ein hoher Dreißiger,als er die jugendliche Prinzessin ehelichte, die, wie Biester inseiner Biographie Katharinas sich ausdrückt, die „Freundin"des damals siebzehnjährigen preußischen Kronprinzen Friedrichwurde. Friedrich hatte bekanntlich bereits mit fünfzehn Jahrenim Punkte der Liebe seine ersten Siege erstritten, unter anderemam Hofe Friedrich Augusts I. von Sachsen mit dessen Maitresse,der Gräfin Orzelska, er ein leidenschaftliches, nicht ohne Folgengebliebenes Verhältniß hatte. Die fünfzehnjährige Frau Gene-ralmajorin war sicherlich keine unnahbare Tugendrose, hat siedoch noch als angehende Dreißigerin, als sie mit ihrer Tochteram russischen Hofe weilte, ein Liebesverhältniß mit dem Findel-Haus-Direklor' Iwan Bctzkoj angeknüpft, das selbst von dermoralisch versumpften Umgebung der gekrönten Buhlerin Elisa-beth als ein Skandal ohne Gleichen betrachtet wurde.
Nach d.m Tode ihres Gatten, der immerwährend kränkelte,zog diese tugendhafte Dame nach Paris, wo sie das Lebe»