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elner der hohen Tochter würdigen, ganz gewöhnlichen Dirntführte. Jedenfalls also war Johanna Elisabeth keine unein-nehmbare Festung, und während ihr Gatte auf seinem Koin-mandantenpostcn in Stettin festsaß, amüsirte Madame sich aufdem Karneval in Berlin, den sie, wie ihre Briefe beweisen,regelmäßig besuchte, oder sie vertrieb sich die Zeit bei ihrenVerwandten im Anhaltischen, auf Luftschloß Dornburg, in Zerbstoder sonstwo. Anderthalb Jahre nach ihrer Verheirathung, am2. Mai 1729, genas die Frau Generalmajorin eines Mägd-leins, daß den Namen Sophie Auguste Friederike erhielt, vonden Eltern mit Vorliebe „Fiekchen" genannt wurde und späterunter dem angenommenen Namen Katharina seine sensationelleCarriere machen sollte.
Genau neun Monate vor Fiekchens Geburt nun hatteKronprinz Friedrich von Preußen, wie quellenmäßig bewiesenist*), seiner schönen Freundin im Anhaltischen einen längerenBesuch abgestattet, wie er überhaupt im Lande Anhalt vielLiebe gefunden und als Neunzehnjähriger dortselbst auch einenSohn, seinen späteren Flügeladjutanten und Günstling GrafenFriedrich von Anhalt, gezeugt hat. „Ich liebe die Kinder derLiebe", sagte Friedrich später einmal mit Bezug auf diesen„seinen Anhalt", wie er ihn zu nennen pflegte, zum Fürstenvon Ligne, und er hat auch Fiekchen von Anhalt-Zerbst, der„Generalmajorstochter", seine Liebe und Fürsorge in reichemMaaße bewiesen. Nach dem Zeugniß Rulhiöre's und andererSchriftsteller hat Fiekchen oder „Figgen", wie ihre Mutter denNamen schrieb, „fast ihre ganze Kindheit in Berlin und dieersten Jahre ihrer Jugend sogar unmittelbar am Hofe Friedrichszugebracht." Als Friedrich 1740 zur Regierung kam, wardder Stettiner Generalmajor rasch hinter einander zum General,zum Gouverneur und 1742 sogar zum General-Feldmarschallernannt, obschon der ziemlich beschränkte und beständig kränkelnde
*) Siehe die Schrift: Oorrespomtrme« polit. st anseuot. surLÜLirss äs 1'Lurovv, »t vartieullör »ur ssUss 4« I'^llswa^u«vd. I. S. S4.