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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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dm überlebenden einzigen Bruder kümmerte sie sich nacy jenerberühmten Unterredung mit Tschernitschew, von deren Inhaltsie jedenfalls unterrichtet war, gar nicht mehr im geringsten,während sie früher bemüht gewesen war, sein kleines Duodez-ländchen Zerbst zn einem Kurfürstcnthum zu erweitern. Dagegenhatte dieser Zerbster, Fürst Friedrich August, sein Leben langeinen unaustilgbaren Haß gegen Friedrich, der ihm doch eigent-lich nichts weiter gethan hatte, als daß er ebm ein königlichesKuckuksei in das kleine zerbstische Zaunnest gelegt hatte.

Eine Mnsterehe. Charakteristisch für das Wesen desrussischen Absolutismus ist ein Ukas Peters I. vom Jahre 1722,in welchem dieser blutige, in der unbeschränkten Selbstherrlichkeitdes Cäsarcnwahnsinns schwelgende Despot die Bestimmung traf,das; ,cs stets vom Willen des herrschenden Kaisers abhängig seinsollte, demjenigen, welchen er wolle, die Nachfolge zu übergebenund ebenso die Bestimmung dafür wieder zu verändern". DieseBestimmung blieb während des ganzen achtzehnten Jahrhundertsin Kraft und hing wie ein Damoklesschwert über dem Hauptedes jeweiligen Throninhabers, Indem sie mit Hilfe ihrer Satrapmdas Volk ausplünderten, zitterten diese Despoten und Despotinnengleichzeitig vor ihren Helfershelfern, vor ihren Günstlingen, vorihren eigenen Kindern, beständig von der Furcht erfüllt, daßsie durch irgend eine Verschwörerbande vom Gipfel der Machtgestürzt und in ihrem eigmen Blute ertränkt werden könnten.

Als Elisabeth, die letzte überlebende Tochter Peters l. (nachSiigcnheims Ausspruchdas verworfenste Weib, welches jeeine Krone getragen") im Jahre 1741 durch eine verwegenePalastrevolution zur Herrschaft gelangt war, nahm sie vorallem darauf Bedacht, ihrem Kronenraub einen gewissen Scheinder Legitimität zu geben und einenNachfolger" für den Zaren-thron zu ernennen. Ihren Vorgänger, den minderjährigen ZarenIwan Anlonowitsch, hatte sie sammt leinen Angehörigen in denKerke/gesteckt, in dem sie »ach jahrzehntelanger kläglicher Ge-fangenschaft zu Grunde gingen. Zwar hatte sie selbst ein«ganze Anzahl von Kindern, die theils auf Rechnung ihre offiziellen