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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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Günstlinge Rasumoivsky und Schuivalow, theils wohl auch aufdaS Konto der strammen jungen Gardisten zu setzen waren,mit denen die ewig liebesdurstige Elisabeth in den Räumen derPetersburger Kasernen ihre Orgien seicrte. Allein diese Bastardedurfte sie kaum als Thronerben zu präsentiren wagen, und soentschloß sie sich denn, ihren Neffen, den damals vierzehnjährigenHerzog Peter von Holstein, zum Thronfolger zu ernennen. Sieließ sich denselben nach Petersburg kommen und seineErziehung"an ihrem Hose vollenden. Durch diese Maßregel glaubte siedasheilige Recht der Legitimität" aufs Trefflichste gewahrtund ihren eigenen, durch List und brutale Gewalt ergattertenThron gegen die Umtriebe ihrer Nebenbuhler gesichert zu haben.

Um jedoch noch bessere Garantien für diese Sicherheit zuschaffen, beschloß die Alleinherrscherin, den noch nicht siebzehn-jährigen Thronfolger in das süße Joch der Ehe einzuspannen,damit er sei» dankbares Volk mit einem Sprößling seiner kaiser-lichen Lenden beschenke und auf diese Weise für die Ruhe.unddas Glück des heiligen Neußenlandes das Seinige beitrage. Eswar unser vierzehnjährigesFiekchcn", der Schützling des Preußen-königs, auf welches schließlich nach langen Berathungen die WahlElisabeths sich lenkte, und im Sommer 1745 fand die Hochzeitder beiden noch im kindlichen Aller stehenden Brantlentchen statt.

Eine Musterehe war es in der That, die da geschlossenworden war! Großfürst Peter war ei» verkrüppeltes, kränkliches,halbidiotisches Bürschchen, daß sich bereits in seinem elften Jahredem Trunke ergeben hatte. Von Charakter war er jähzornig,starrköpfig und verlogen, und seine Kenntnisse waren einfachgleich Null zu rechnen. Lakaien waren sein liebster Umgang,in ihrer Gesellschaft betrank er sich fast alltäglich, sie warenseine Genossen, wenn er sich noch als Zwanzigjähriger seine-'Lieblingsbeschäftigung, dem läppischen Spiel mit Puppe» undBleisoldaten hingab, und sie waren es auch, die er in allestaatlichen, familiären und sonstigen Angelegenheiten, von denendie höchsten Würdenträger nur im Flüstertöne zu reden wagten,«it verblüffender Offenherzigkeit einweihte.