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Die verschlagene preußische Generalmajorstochter merktedenn auch sehr bald, woran sie mit ihrem erlauchten HerrnGemahl war. Als sie kaum ein paar Tage mit Peter bekanntwar, erzählte er ihr, seiner Braut, in aller Unschuld, daß ereigentlich in ein Fräulein Lopuchin verliebt sei und diese Damehabe heirathen wollen, daß er jedoch auf den Wunsch derKaiserin-Tante seine Hoffnungen geopfert habe, um Katharina— wie Fiekchen nach dem Uebertritt zur russisch-rechtgläubigenKirche sich nannte — zum Altare zu führen. Vierzehn Tagenach der Hochzeit berichtete er seiner jungen Gattin voll Enthusias-mus, daß er in eine Ehrendame der Kaiserin, Fräulein Carr,verliebt sei, mit der Katharina im Punkte der Schönheit garnicht zu vergleichen sei.
Doch Katharina war ja nicht nach Rußland gekommen,um ein „glückliches Eheweibchen" zu werden. Nicht einenAugenblick vergaß sie die Rolle, welche ihr der oberste Kriegs-herr ihres Herrn Papas von vornherein zugedacht hatte, undmit einer Aufrichtigkeit, die nichts zu wünschen übrig läßt, sagtsie in ihren Memoiren: „Ich fühlte im Grunde meines Herzensein geheimes Etwas, welches mich nie einen Augenblick zweifelnließ, daß ich früher oder später souveräne Kaiserin von Ruß-land werden würde, in eigener Machtvollkommenheit." Mitandern Worten: sie war von vornherein entschlossen, denjenigen,dem sie Treue und Liebe zugeschworen hatte, zu verrathen undum sein sogenanntes „gutes Recht" zu bestehlen.
So ging nun ein jedes der beiden vermählten Kinder seinertigerten Wege: Peter spielte mit seinen Bleisoldaten und Puppen,exercirte seine Lakaien nach preußischem Muster, prügelte unddressirte seine Jagdhunde, trank Bier, Branntwein und Bur-gunder und poussirte aus seine alberne Weise die Hofdamen,mährend seine Frau Gemahlin sich in aller Stille auf ihrenzukünftigen Beruf als „souveräne Kaiserin in eigener Macht-vollkommenheit" vorbereitete. Leicht wurde ihr das gerade nichtgemacht, denn Elisabeth mochte die geheimen Gedanken derjungen Dame wohl errathen haben uiä ließ sie auf Schritt