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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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Und Tritt belauern, um nicht etwa eines schönen Tages vorider ehrgeizigen und listigen Zerbsterin ebenso bei Seite geschobenzu werden, wie Iwan Antono witsch mit seiner BraunschweigerSippe, trotz älterer Anrechte auf den Thron, von ihr selbst beiSeite geschoben worden war.

So suchte sich denn die unter Polizeiaufsicht gestellteStreberin zu trösten, so gut es ging. Zuerst versuchte sie es mitden Büchern und eignete sich jene oberflächliche wissenschaftlicheTünche an, unter welcher die ganze Herzensroheit der despotischenBuhlerin sich später verbergen konnte, unddurch deren Lobpreisungein Voltaire und ein Diderot ihren Weltruhm besudelt haben.

Bald indessen verfiel Katharina auf einenreelleren" Zeit-vertreib: auf das holde Spiel der Mine, das am russischenHofe von jeher einen so hohen Grad der Vervollkommnungerreicht hatte. Schon vor ihrer Verheirathung hatte sie einAuge auf einen hübschen Bedienten ihres Bräutigams, AndreasTschernitschew mit Namen, geworfen, der auch nach derHochzeit mit dem großfürstlichen Pärchen auf sehr intimem Fußeweiter verkehrte. Die Aufpasser der Kaisein kamen jedoch dahinterund Tschernitschew wurde in ein weit von Petersburg liegendesRegiment versetzt, während Katharina in einer MadameTschoglokoweine Art Gouvernante zuertheilt bekam, die den Ruf einer muster-haften Ehefrau und Mutter besaß und der jungen Großfürstin,nach dem Willen der Kaiserin, als leuchtendes Beispiel ehelicherTreue dienen sollte.

Mit demleuchtenden Beispiel" war es freilich in einer sogrundverdorbenen Umgebung, wie der russische Hof sie darstellte,ei» gar eigenes Ding. Madame Tschoglokow, die bereits siebenKinder mit ihrem Gatten gehabt hatte, fiel noch nach dieserLeistung dem Dämon der Verführung zum Opfer. Was Wunder,daß auch das heiße Blut Katharinas immer wieder rebellischwurde, and daß sich nur zu bald ein unternehmender Ritters»mann fand, der die schlecht bewachte Festung im Sturme eroberte'.Dieser Kühne war Sergius SoUykow, der Kammerherr Peters,zu dem Katharina alsbald in heftiger Leidenschaft entbrannte.