Kergius Saltykom. Die Ehe Katharinas war währendder ersten Jahre kinderlos geblieben. Es hatte sich herausgestellt,daß der Thronfolger zeugungsunfähig war, und welches Mittelman auch gegen dieses Gebrechen anwandte — nichts wollteverfangen. Zuletzt wurde eine chirurgische Operation, eine ArtBeschneidung an ihm vorgenommen, und zwar war es kein andererals Saltykow, der den Großfürsten zu derselben zu überredenwußte, damit er endlich dem Reiche den langersehnten Erbengebe. Inzwischen aber waren Katharina und Saltykow miteinander bereits einig geworden, und es handelte sich für sie nurnoch darum, Peter den Glauben an seine Zeugungsfähigkeitwiederzugeben, damit er die Dinge, die da kommen sollten, nichtetwa in schiefem Lichte ansähe. Er sollte die Hörner, die manihm aufgesetzt hatie, mit Anstand tragen lernen.
Man hatte sich zu diesem Zweck mit dem Kanzler Bestuschewins Einvernehmen gesetzt, der die Kaiserin Elisabeth davon zuüberzeugen wußte, daß „die Staatsklugheit es gebiete, sich mitdem Sprößlinge zu befreunden, den die Großfürstin nächstenszu Tage fördern würde; daß diese und der Ersatzmann Peterseher Dank als Strafe verdienten, wegen ihrer Sorge, derMonarchie auch in künftigen Tagen durch Sicherung der Thron-folge den inneren Frieden zu erhalten". Elisabeth, selbst imUnflath sinnlicher Lüste ganz versunken, begriff unschwer dieErsprießlichkeit dieser Moral und feierte die Geburt (1. Oktober1754) ihres angeblichen Großneffen Paul, des nachmaligenersten russischen Kaisers aus der jetzt regierenden DynastieSaltykow*), mit großer Pracht (Sugenheim).
Ein Blick in die bekannten „Memoiren Katharinas", dievor etwa dreißig Jahren von Alexander Herzen veröffentlichtwurden, und deren Echtheit bisher von niemand angezweifeltworden ist, belehrt uns hinreichend über die BeziehungenKatharinas zu Hern Kammerherrn ihres Gatten. Diese Memoiren
*) Der gegenwärtig liierende Zar Alexander III ist derUrenkel Paul's.