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that nichts, als weinen und stöhnen. In der Stadt und imReiche herrschte große Freude über das glückliche Ereigniß. . . .Endlich wählte man den siebzehnten Tag nach meiner Entbindung,um mir mitzutheilen, daß Sergins Saltykow beauftragt wordensei, die Nachricht von der Geburt meines Sohnes nach Schwedenzu überbringen Mehr als je vergrub ich mich in mein Bettund brachte meine Zeit unter Schmerzen hin. ... Ich konnteund wollte niemand sehen, weil ich mich grämte. . . . Als derKarneval (1755) zu Ende war, kam Sergins Saltykow ausSchweden zurück. Man war entschlossn, ihn als russischenBevollmächtigten nach Hamburg zu schicken. Diese neue An-«rdnung verminderte meinen Kummer nicht. . . . Als er vonSchweden zurückgekommen war, ließ er mich durch Leon Narischkinbitten, ihm mitzutheilen, ob ich ein Mittel ausfindig machenkönnte, ihn zu sehen. Ich sprach mit Madame Wladislawadarüber, welche in eine Znsammenkunst willigte. . . . Ich er-wartete ihn bis drei Uhr Morgens, aber er kam nicht; ich warin Todesangst, was ihn vom Kommen abgehalten habenkönnte. . . ES wurde mir klar wie die Sonne, daß er bloß
aus Mangel an Anhänglichkeit und Aufmerksamkeit für michnicht gekommen war, ohne irgend welche Rücksicht auf das,was ich seit so langer Zeit bloß aus Anhänglichkeit an ihnlitt. ... Ich schrieb ihm einen Brief, worin ich mich bitterüber sein Verfahren beklagte. Er antwortete mir und kam zumir, cs war ihm nicht schwer, mich zu besänftigen, weil ich sehrdazu geneigt war, mich besänftigen zu lassen. . . . Um dieseZeit erfuhr ich, wie unüberlegt Sergins Saltykow sich sowohl inSchweden als in Dresden benommen hatte — er h.,tte allenFrauen, mit denen er in Verkehr kam, seine Geschichte erzählt."
So weit Katharinas authentischer Bericht über jenemerkwürdige Kreuzung, als deren Produkt der nachmaligeKaiser Paul, der Stammvater des jetzt regierenden Zaren-hauses, zu betrachten ist. Pauls Abstammung aus demehebrecherischen Umgang seiner Mutter mit dem KammerherrnSaltykow ist in Rußland niemals ein Geheimniß gewesen.