sich seit seiner Thronbesteigung um Paul, gegen den er stetseine allen in die Augen fallende Antipathie gezeigt habe, garnichtbekümmert hätte. So konfiscirte er sofort nach seinem Regierungs-antritt eine Summe von 120 000 Rubeln, die von der ZarinElisabeth ausdrücklich für Paul bestimmt worden war. In demManifest, daß Katharina nach der Ermordung Peters erließ,bezeugt Katharina selbst, daß Peter seinen „Sohn" Paul vonder Thronfolge habe ausschließen wollen, und daß „sie nebstihrem Sohne während der Regierung Peters verfolgt und inäußerster Entfernung vom Kaiserlichen Hofe sich gesehen habe".Offenbar hatte Peter keine Lust, den ihm gespielten Betrug nockhinterher zu sanktioniren, eine Anstandsregung, für die er freilichmit dem Leben büßen sollte.
Nontatomski. Katharinas „robuste Natur" war nichtdanach angethan, sich allzulange dem Liebesgram hinzugeben.Sie suchte sehr bald Ersatz für den ungetreuen Saltykow undfand ihn in dem jungen polnischen Grafen Stanislaus AugustPoniatowski, der 1755 im Gefolge des englischen GesandtenWilliams nach Petersburg kam. „Seine große Schönheit undseine Liebenswürdigkeit brachten ihn an allen Höfen in Ver-bindung mit den angesehensten Frauen", sagt Helbig chon demcharakterlosen jungen Polen, dessen Beziehungen zu der russischenMessalina für sein Vaterland so vcrhängnißvoll werden sollten.Poniatowski kam nach Petersburg als -in geheimer AgentFriedrichs II. von Preußen, der die sächsisch,. Dynastie von dempolnischen Throne verdrängen und statt ihrer die eingeboreneFamilie Czartoryski auf demselben sehen wollte. Poniatowskiselbst wurde erst durch seine Freundin Katharina auf den Ge-danken gebracht, sich um die polnische Krone zu bewerben. Mitder liebesbedürftigen Großfürstin ward Poniatowski bald handels-eins: Derselbe Leon Narischkin, der zwischen ihr und Saltykowden Liebespostillon gespielt hatte, gab sich auch jetzt wieder zudieser erniedrigenden Rolle her. Bei seiner Schwester traf dieEhebrecherin mit ihrem polnischen Seladon zusammen. „Ichschützte Kopfschmerzen vor", berichtet Katharina i« ihren Me-