Moiren, „und ging sehr früh zn Bette. Sowie Madame WladiS»lawa mich zu Bette gebracht und sich zurückgezogen hatte, standich wieder auf und kleidete mich von Kaps bis zu Füßen alsMann. Zur bestimmten Stunde kam Leon Narischkin durchdie Gemächer des Großfürsten und fing an, an meiner Thürzu miauen; ich öffnete ihm. Mr setzten uns in feinen Wagenohne daß uns Jemand sah, und lachten wie toll über unsernStreich. Wir fanden bei Leons Schwester den Grafen Ponia-towski. Nach anderthalbstündigem Besuche ging ich fort. EinigeTage später schlug Leon einen Gegenbesuch vor, der mir gemachtwerden sollte, und auf dieselbe Weise brachte er seine Gäste inmein Zimmer, ohne daß irgend Jemand etwas davon merkte.So fing daS Jahr 1756 an. Wir fanden ein eigenthümlichesVergnügen an diesen heimlichen Zusammenkünften; jede Wochehatten wir wenigstens eine oder zwei, sogar drei, bald hübenbald drüben ..."
Bald darauf wurde Poniarowski, nachdem er für kurzeZeit durch diplomatische Intriguen aus Petersburg verdrängtworden war, zum polnischen Gesandten am russischen Hofe er»nannt. Er nahm die Beziehungen zu Katharina sogleich wiederauf und vergaß in ihren Umarmungen vollkommen die Pflichten,die er gegen sein Heimathland hatte. Mit cynischem Behagenschildert Katharina einen „offiziellen" Besuch des neuen Gesandtenund seines Begleiters, des Grafen Horn, in ihren Gemächern:„Bei unserer Ankunft in meinem Kabinet kam uns ein kleinesBologneser Hündchen, das mir gehörte, entgegen und bellte denGrafen Horn laut an; als es aber den Grafen Poniatowskibemerkte, glaubte ich, der Hund würde vor Freuden toll werden ...Graf Horn faßte Poniatowski beim Rock und sagte: „MeinFreund, das Schrecklichste, was es giebt, ist ein BologneserHündchen; das Erste, was ich immer gethan habe, wenn ichFrauen liebte, war, ihnen ein solches Hündchen zu schenken, unddurch sie habe ich immer erkannt, ob Jemand mehr iu Gunststand als ich. Offenbar hat das Thier Sie nicht znn> ersten Malegesehen, doch seien Sie unbesorgt, ich bin vollkommen diskret."