Graf Poniatowski blieb bis zum Jahre 1759 auf seinen,Gesandschaftsposten, und ebenso lange war er der „intimsteFreund" Katharinas.
Im Herbst 1758 „schenkte sie ihrem Gemahl" ein Töchter-lein, über dessen Herkunft sich Peter keinen Täuschungen hinzu-geben schien. „Der Himmel weiß," äußerte er zu seiner Um-gebung, „woher meine Frau guter Hoffnung geworden ist; ichbin durchaus nicht gewiß, ob dieses Kind mir gehört, und obich es auf meine Rechnung setzen muß."
Katharina erschrak über diese Aeußerung nicht wenig, „icherkannte seitdem," sagte sie in den Memoiren, „daß es sich fürmich darum handelte, mit ihm oder durch ihn zu Grunde zugehen, oder mich selbst, meine Kinder und vielleicht den Staaiaus dem Schiffbruche zu retten. ... Ich faßte also denEntschluß, meine Interessen bei dem Publikum so zu wahren,daß man eintretenden Falles auf mich, als die Retterin deröffentlichen Angelegenheiten, Hinblicken konnte..." Mit anderenWorten: zuerst Betrug und Ehebruch, und dann der Staatsstreich.
Als Musiker oder Friseur verkleidet, besuchte der HerrGesandte die Wöchnerin aus ihrem Schmerzenslager, und esging, wie Katharina selbst beschreibt, gar lustig zu in dieserWochenstube. Während die Abgesandten der Kaiserin kamen,um dieselbe zu revidiren, steckte Pomatowski mit einer Rottelüderlicher Hofdamen hinter einem Vorhang in einer ArtCabinet. Das Kind hatte man der Mutter, die ja an andereDinge zu denken hatte, vom Augenblick der Geburt an fort-genommen; es starb bereits in seinem zweiten Lebensjahre
Ueber die Art, wie Poniatowski um seinen Posten kam,berichtet Helbig: „Einst schlich er, als Friseur verlleidct, umdas Palais der Prinzessin in Oranienbaum herum. Peterwurde davon benachrichtigt, lauerte ihm auf uud empfing ihnziemlich unfreundlich. Er wurde alsdann arretirt vor denGroßfürsten gebracht und von dem Grafen Branicki, der ebenbei diesem Prinzen war, durch einen Stoß zur Thür hinausFreiheit gesetzt. Der Großfürst lachte herzlich über diese