Buch 
Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
Entstehung
Seite
32
JPEG-Download
 

PoriiatowSki besitzt sie die Frechheit, dieses Leiden ausdrücklichalsHämorrhoidalkolik" zu bezeichnen und die eigentliche Todes-ursache des Zaren total zu verschweigen.

Bei dem im Gegensatz zu dem sonstigen russischen Beerdi-gungspunkt sehr unscheinbaren Begräbniß Peters von Katharinanicht zugegen. Veröffentlichungen über die blutigen Ereignisseihres Staatsstreiches verfolgte sie unnachsichtlich. Ein gewisserRulhiöre, der sich 1762 als Sekretär der französischen Botschaftin Petersburg befand, hatte als Augenzeuge ein Buch über dieEntthronung Peters geschrieben. Der sonst so freigeistige Diderotwar es, der sich dazu hergab, die Veröffentlichung der Rulhiöre'-schen Schrift zu hintertreiben. Im Auftrage der Kaiserin kaufteder russische Gesandte in Paris dem Autor das Manuskript ab,und erst nach dem Tode Ruhlhiöres ward eine Kopie seines Auf-sehen erregenden Werkes in Druck gegeben.

Im Ganzen wird Sngenheim sich von der Wahrheit kaumweit entfernen, wenn er über Katharinas Antheil an der Er-mordung ihres Gatten wie folgt schreibt:Es ist eitel Thor-heit, zu glauben, der blutige Entschluß sei ohne der Zarin aus-drückliche Zustimmung gefaßt, gegen ihren Wille» ausgeführtworden. Eine Frau, wie sie, die Zeit ihres Lebens zur Ge-nüge bewiesen, daß sie vor keinem, wenn auch noch so großen,ihr aber nützlichen Verbrechen zurückbebte, deren unverhohlenausgesprochene Grundsätze waren:in seinen Entschlüssen muffeman fest sein",es sei besser, Unrecht thun, als seineMeinung ändern", und vor allem,nur Thoren wärenunentschlossen"; eine Frau, wie sie, die all ihr Lebtage eiseausgemachte Komödiantin gewesen, die sich wie kaum eineandere darauf verstand, die Wölfin im Schafspelze zu spielen

-eine solche Frau ist viel zu erhaben über das Vorurtheil,

welches man im bürgerlichen LebenGewissen" nennt, um denRegungen desselben auch in dem hier in Rede stehenden Falleirgend welchen Einfluß auf ihre Handlungen zu gestatten. KeinZweifel mithin, daß sie voll innerlichen Jubels dem EntschlüsseGregor Orlows und seiner Spießgesellen zustimmte, sie vonder nagendsten Sorge ihres Daseins zu befreien, und nur bemühtgewesen ist/ den Schein zu retten, der Welt vorzugaukeln, daßsie habe geschehen lassen müssen, was sie zu verhindern inIhrer damaligen Lage sich außer Staude gesehen!" ^