änderlichkeit seiner Geliebten empfing. Er ließ die Türken Türkensein, setzte sich in einen Bauernwagen und jagte Tag und Nacht aufPetersburg zu, um zu retten, was noch zu retten war. Aberschon unterwegs traf er einen Courier, der ihm meldete, daß dieKaiserin ihn nach seinem Schlosse Gatschina verbannt habe.
Orlow schäumte vor Wuth und gekränktem Ehrgeiz: wie,sollte er nicht mehr der erste Gebieter im Staate sein? Vollglühender Rachegedanken ging er nach Gatschina, wo er Tagand Nacht darauf sann, wie er die trennende Mauer, die man»wischen ihm und Katharina gezogen hatte, ourchbrechen könnte.Dir allmächtige Zarin zitterte vor ihm „in knechtischer Furcht',wie Helbig sich ausdrückte, und als Graf Vanin sie zu be-ruhigen suchte, sagte sie ängstlich: „Sie kennen ihn nicht, erist fähig, mich und den Großfürsten umzubringen.' DieseAeußerung, meinte Helbig, ließ einigermaßen schließen, daßKatharina Orlows Wuth aus Erfahrung kenne. Vor dieThür ihres Schlafzimmers ließ sie eiserne Riegel machen, undihr Kammerdiener Sacharow mußte mit geladenen PistolenWache halten.
So groß war die Angst des Hofes vor dem „rasenden
Orlow", daß man sich ihm nur noch bittend nahte: er möchtedoch nur auf seinen Zuhälterposten freiwillig verzichten, imübrigen würde alles beim Alten bleiben. Katharina schickte ihm
eine Million Rubel, die sie ihm „schuldig war", und er nahm sie
auch, verharrte jedoch dabei immer noch in seiner drohendenHaltung. Und schließlich trat der lange gefürchtete Augenblickein: eines schönen Abends, im Winter 1772, stand Orlowleibhaftig vor der Zarin, die vor Angst und Schrecken um-zusinken drohte. Indessen, es ging glimpflicher ab, <rls sie er-wartet hatte: Orlow bat sie, ihr Freund bleiben zn dürfen,u»d — söhnte sich mit ihr aus.
Nun sah die Welt ein Beispiel edler, uneigennütziger
Freundschaft: Katharina beschenkte den Ex-Liebling mit Tausendenvon Bauern, gab ihm eine Pension von hundertundfünfzigTausend Rubeln jährlich, dedizirte ihm ein in Frankreich ge-arbeitetes Silberservice, das eine Viertelmillioa kostete, und ließfür ihn einen herrlichen Marmorpalast mit der Aufschrift:»Gebäude aus Dankbarkeit" auf Staatskosten errichten. .-Orlowseinerseits kaufte von armenischen Handelsleuten für eine halbe