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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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42
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Million den bekannten großen Diamanten, der seinen Namenden Namen desgroßen" Orlow für alle Zeiten verewigthat, und auf dessen Besitz noch heute Rußland stolz ist! DaSrussische Volk weinte Thränen bei diesen erhebenden Beweisenbeiderseitigen Edelmuths nicht Thränen der Rührung zwar,wohl aber Thränen des Hungers und der bitteren, bitterenNoth. . . .

Der Sturm war äußerlich mit vieler Mühe beschwichtigt.Im Innern des unseligen Wüstlings aber tobte es weiter.Von wilder Unrast getrieben, zog Orlow bald dahin, bald dort-hin, war jetzt im Ausland, dann in Reval oder Moskau, dannwieder in Petersburg. Unstät wie der Brudermörder Kamfloh er von Volk zu Volk, von Stätte zu Stätte. Und immerwieder zog eS ihn zurück nach dem Schauplatz seiner Verbrechenund Laster: nach dem sündigen Petersburg, an den HofKatharinas.

Diese hatte den für die ihm zugetheilte Rolle viel zu an-ständigen Wassiltschikow längst entlassen und denEhrenposten"an ihrer grünen Seite dem gewissenlosen Abenteurer Potem-kin gegeben, der vor allem den unruhigen Orlow im Schachhalten sollte. Man suchte den Unglücklichen zu trösten, indemman ihn zu einer Heirath mit einem schönen Hoffräulein zubestimmen wußte. Katharina ließ sich die Sache sehr angelegensein und beschenkte ihreNachfolgerin" unter Anderem miteiner Toiletteneinrichtung aus purem Golde, von märchenhafterPracht und ungeheurem Werthe. Die junge Fürstin Orlowstarb nach wenigen Jahren, ohne ihrem Gatten Kinder zuhinterlassen. Orlow kehrte aus dem Auslande an den Hofzurück, wo sein Benehmen immer unheimlicher wurde. SeineUnruhe ging allmählich in eine Art Wahnsinn über, er hieltsich für berufen, allen die Wahrheit zu sagen. WelcheTollheit, welch verbrecherisches Unterfangen an einem Hofeeinem Hofe, dessen stetige Begleiter, nach dem Ausdruck einesBeobachters jener LageNiedrigkeit, Infamie, Falschheit,Schmeichelei, Lug und Trug" waren. Im Beisein des ganzenHofes sagte er der Zarin unverhohlen, was er über sie selbstund ihre Umgebung dachte. Als Graf Panin, sein erbitterterGegner, gestürzt wurde, bemerkte er ihr unumwunden,daßsie, da sie doch von nichtswürdigen Leuten umgeben sein wpllte.