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wohl gethan hätte, diesen rechtschaffenen Mann von ffch zuentfernen."
Rasch nahte dem einstmals Allgewaltigen das Verhängniß:„Es ist wohl ausgemacht gewiß," meint Helbig, „daß OrlowsFeinde ihm ein abzehrendes Gift beibrachten, dem zwar seinestarke Natur so viel als möglich widerstand, das aber doch dieSpuren seiner Wirkung durch eine gewisse Zerrüttung des Ver-standes bezeichnete." Endlich brach bei dem Unglücklichen dervolle Wahnsinn in grausigster Form aus: er verschlang nachMassons Bericht, seine eigenen Exkremente und ward beständigvon den furchtbarsten Visionen gequält. „Er sah immer dieblutende Erscheinung des sterbenden Kaisers", erzählt Helbig,und verschied schließlich, im April 1783, in den gräßlichstenKrämpfen.
Nach Gregors Fall begann auch der Stern seines BrudsrsAlexej zu sinken. Zwar blieb er noch einige Jahre in seinerStellung als Oberst-Kommandirender der russischen Flotte undwurde auch für die Siege, die er über die Türken erfocht, durchallerhand Ehren ausgezeichnet, allein der Gedanke, daß einanderer Favorit — Potemkin — den Namen der Orlowvollständig in den Schatten stellte, war ihm ebenso unerträglichwie seinem Bruder Georg. So gab er denn alle seine Aemterauf und ging nach Moskau, dem Sitz aller derjenigen, die mitden Zuständen am Petersburger Hofe irgendwie unzufriedenwaren. Er verheirathete sich nachträglich und hatte aus seinerEhe eine Tochter, die bereits mit zehn Jahren Hofdame derZarin war. Ein natürlicher Sohn Orlows war Osfizier in derGarde. Gegen Ende der achtziger Jahre sollte dieser jungeMann „Liebling" bei der greisen Katharina werden, „wegen derArroganz des Vaters aber trug Fürst Potemkin Bedenken, ihmdiese wichtige und einträgliche Stelle zu geben." (Helbig.)
Als Katharinas Sohn Paul den Thron bestieg, ließ er denalten, von der Gicht geplagten Grafen Alexej nach Petersburgkommen. Er hatte sich für seinen „Vater", den ermordetenPeter III., eine ganz besondere Genugthuung ausgebucht: beider feierlichen Ueberführung der Leiche Peiers aus dem Alexander-Newski-Kloster nach dem Winterpalast mußten O^low und einZweiter überlebender Mörder, Fürst Barjatinski, die Reichs-kleinodien vor dem Sarge ihres Opfers Hertragen. Mehr als