— «7 -
wurde Und die blutige Despotie,, welche auf dem Throne sah,nicht wagen durfte, derartige Frevel zu bestrafen. Hatte siedoch selbst in ihrem Eßsaal, gerade ihrem Platz gegenüber,blutig-schauerliche Darstellungen der Metzeleien von Otschakowund Jsmai'la hängen, an denen sich das wollusttrunkene Augeder greisen Megäre nicht satt sehen konnte. Wie mag sie beidiesem Anblick die Dirnen Potemkins beneidet haben, die beiOtschakow die Leiber der gefallenen Türken entkleiden ließen,um die prächtigen Gestalten der unverdorbenen Natursöhne ohneHülle zu bewundern!
Und dieses Weib hatte die Stirn, sich als die „Erzieherindes russischen Volkes" zu bezeichnen! Wenn man ihre Er-
ziehungsarbeit nach den Resultaten beurtheilen soll, die sie betihren letzten Schülern, den Subows erzielte, dann hatte sieallerdings Grund genug, auf ihr pädagogisches Talent stolz zusein. Diese frechen Burschen machten einen förmlichen Sportdaraus, junge Bürgermädchen von der Straße weg zu entführen,um sie entweder selbst zu vergewaltigen, oder, falls sie ihnen
nicht hübsch genug waren, sie ihren Stallknechten zu über äffen,die dann die armen Opfer vor ihren Augen schänden mußten.Der jüngere Subow übte seine Verführungskünste nebenher auchan kleinen Knaben, die er dafür bezahlte, daß sie sich von ihm
zu widernatürlicher Unzucht verleiten ließen. Und bei den
Damen des Hofes war es eine Zeit lang sogar zur Mode ge-worden, sich Affen zu halten, mit denen auf ähnliche Weise dieNatur in Unnatur verkehrt wurde.
Wir haben das Leben und Wirken der „großen" Katharinain denjenigen Zügen dargestellt, in denen sie wirklich groß war:im Laster und Verbrechen. Ein Bild jener empörendenGünstlingswirthschaft, welche Rußlands Kraft auf lange Jahr-zehnte hinaus zerrüttete, hat sich vor unseren Augen entrolltund uns mit Abscheu und Ekel erfüllt vor einem politischenSystem, welches dem gesunden Menschenverstand schnur-stracks widerspricht und mit der rohen Räuberpolitik derschlimmsten Barbarenreiche auf einer Stufe steht. Das Rußlanddes vorigen Jahrhunderts hat sich vor unseren Blicken, trotzallem oberflächlichen Firniß als der unverfälschte Barbarenstaatentpuppt. Katharina aber, die vielgerühmte „Begründerin derum-russischen Civilisation", unter deren Szepter, nach der Au-