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Haaren liegen, bald um ein Stück Land, bald nm einen theo-logischen Glaubenssatz, bald nm eine Maitressenlanne oderirgend einen albernen Einfall des „Allerdurchlauchtigsten" selber.Zank und Streit, Schwcrtergerassel und Kriegsgeschrei erfüllenEuropa von einem Ende zum andern, und Ländcrraub, Treu-bruch, blutige Menschengemetzel sind an der Tagesordnung. DieZeche aber müssen jedesmal die armen Völker bezahlen, immerwieder wird ihre friedliche Entwickelung unterbrochen, immerwieder durch brutal hausende Söldnerschaaren vernichtet, wasfle in mühseliger Arbeit vollbracht haben. Ein Pfund Fleischnach dem andern wird ihnen von den fühllosen Henkersknechtenihrer Tyrannen aus dem Leibe geschnitten. Diese selben Ty-rannen aber, deren Wille vorgeblich einzig und allein in un-umschränkter Machtvollkommenheit gebietet, sind in den aller-meisten Fällen nichts anderes, als erbärmliche Marionetten,die von ihren Kcbsweibern, ihren Leibpfaffen, ihren Hofnarrenoder irgend einem verschlagenen Schuft, der sich zum „Minister"*)aufgeschwungen hat, regiert werden. Wahnwitz und Nieder-tracht wetteifern mit einander, um den letzten Rest von Ver-nunft und guter Sitte auf den Kopf zu stellen, und die Saatdes Lasters, der Schändlichkeit und Bosheit schießt üppig emporin der modrigen, vom Pesthauch der Unmoral erfüllten Atmo-sphäre.
Hat nun der französische Despotismus jener Tage einengewissen Zug ins Große, der den oberflächlichen Beobachterim ersten Augenblick durch äußerlichen Pomp über den ver-brecherischen Grui>k;ug seines Wesens hinwegtäuscht, so ver-
*) Zu deutsch: Dienstmann, Knecht.