— s —
so unsterblich blamirt wie dieser aufgedonnerte Circusheld, »ermit aller Welt Händel suchte, obschon ihm zum Feldherrn nichtweniger als alles fehlte. Zwei Länder, Sachsen und Polen,hat dieser Monarch seiner öden Ruhmsucht und thörichten Eitel-keit zu Liebe ruinirt, und wenn irgend etwas das herbe Urtheil,das die Geschichte über ihn gesprochen, zu mildern vermag, soist es lediglich die unwillkürlich-komische Seite in seiner lächer-lichen Pfauenerscheinung und das ewige Pech, in das er immerund immer wieder mit der Ungeschicklichkeit eines schlecht dressirtenBären hineinpatscht. Unser Lachen aber verstummt und ver-wandelt sich in zornigen Unmuth, wenn wir der schweren undblutigen Opfer gedenken, welche dieser geistig so unbedeutendeund dabei so unverschämt arrogante Duodez-Tyrann seinenLändern zum Unheil auf dem Mtare seiner Selbstherrlichkeitdargebracht hat.
Arrs Sachsens Vorzeit. Bevor wir auf die Per-sönlichkeit unseres „Helden" näher eingehen, werfen, wir einenkurzen Rückblick auf das Geschlecht*), welchem August derStarke nach den gewöhnlichen Gewichtsangaben entsprossen ist,sowie auf die Geschichte des Landes, in dessen Schicksale erauf so verhängnißvolle Weise eingegriffen hat.
Das heutige Sachsen hat mit dem alten deutschen Volks-stamme der Sachsen, der seine Wohnsitze weiter nordwestlich,an den Ufern der Weser hatte, unmittelbar nichts zu thun.Es hat sich vielmehr aus der ehemaligen Markgrafschaft
*) Das Herrscherhaus, welches heut noch auf dem sächsischenKönigsthrone sitzt, und dessen Ahnherr August der Starke ist, leitetseinen Ursprung bekanntlich von den Grafen von Wett in ab,deren Stammburg ehemals am Ufer der Saale stand.