Thüringen mit der Kurwürde fiel an Ernst, den ältere»Sohn des Kurfürsten Friedrich des Sanftmüthigen,während der jüngere Sohn, Albrecht, das Land Sachsen-Meißen als Herzogthum erhielt. Die beiden Linien desHauses Wettin heißen fortan die ernestinische und diealbertinische Linie.
Im Jahre 1547 erwarb Herzog Moritz von Sachsen-Meißen durch Verrath der protestantischen Sache die Kur-würde nebst einem beträchtlichen Theil der ernestinischen Länderfür die Albertiner zurück. Bei dem Vater dieses Fürsten,dem Herzog Heinrich, welchem eine seltsmne Laune derGeschichte den Beinamen des „Frommen" gegeben hat,müssen wir einen Moment verweilen, bevor wir in der Ge-schichte des wettinischen Herrscherhauses weiterschreiten.
Herzog Heinrich, der letzte katholische und zugleich dererste protestantische Herzog von Sachsen-Meißen (reg. 1539bis 1541), war ein echtes Kind seiner lasterhaften, durch unddurch verlotterten Zeit. Die merkwürdige Frömmigkeit dieses„frommen" Heinrich wird zur Genüge durch die Thatsachebeleuchtet, daß er mit seinem Domdechanten Bathasar vonRagwitz „so manche Nacht durchzechte und zotige Lieder zugeistlichen Melodien sang, bis sie zuletzt regelmäßig in innigsterUmarmung am Boden liegend der neue Tag beschien.*)
In roher Genußsucht und Trägheit versunken, meinte dieserhochweise Monarch, man „müsse seine fünf Sinne nicht bei-sammen haben, um zu behaupten, Arbeit verschönere das Leben",eine Offenherzigkeit, die ihn von den scheinheiligen, beständig
*) Siehe F. W. Ebeling, August von Sachsen. Berlin, 1886 .