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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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11
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mit ihrerArbeit* prahlendm Müßiggängern unserer Lagenicht unvorteilhaft unterscheidet. Sogar die Unterzeichnungseines Namens betrachtete der gute Heinrich als Arbeit, dieihm höchst zuwider war, so daß ihm sein Geheimschreiber oftTage lang nachschleichen mußte, um eine günstige Gelegenheitzur Erlangung seiner Unterschrist zu erspähen. Seine Kleiderpflegte dieser merkwürdige Herr so lange zu tragen, bis sieihm von dem unförmlich dicken Leibe und den watschelndenBeinen herab fielen, und seinem weinrothen, leuchtenden Gesichtewurde nur alle zwei oder drei Tage eine Waschung zu Theil,da nach seiner Meinungdas Wasser den Körper ebenso an-greife, als die Kleiderbürste das Tuch".

In seinem vierzigsten Jahre vermählte sich dieser un-gewaschene Heilige mit der fünfunddreißigjährigen PrinzessinKatharina von Mecklenburg, einer eitlen, verschwenderischenund herrschsüchtigen Dame, die durch ihre lasterhaften Begierdenbereits ihrem Bater, dem Herzog Magnus II. von Mecklen-burg, viel Sorge bereitet hatte.*) In demtugendhaften"Sachsen setzte sie ihr schamloses Treiben ungescheut fort, undsie mußte sich deshalb von ihrem eigenen Hofpersonal dieschimpflichsten Namen anheften lassen.In Wahrheit sang«an noch, als sie schon Greisin war, unter ihren FensternLieder, in denen sie als unzüchtiges Weib verhöhnt wurde.Von einigen ihrer Kinder nannte man verschiedene Vater.Heinrich selbst pflegte, laut einer brieflichen Mittheilung seinesRathes Anton von Schönberg, sobald solche Gerüchte ihmzu Ohren kamen, sich mit einer auf tiefer Selbsterkenntniß be-

*) Zeugniß des Hvsmarschalls H. v. Schlrinitz.