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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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13
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Derfromme" Heinrich, dem das Lutherthum im Herzenebenso gleichgültig war wie der Katholizismus, ließ sich endlich vonseiner glaubenseifrigen Gattin bestimmen, an Luther einen Zustim-mungsbrief zu schreiben, doch fügte er heimlich einen Zettel bei, aufwelchem er mit dürren Worten sagte, er hätte nur geschrieben,um einmal Ruhe vor seiner Gesponsin zu erlangen."

Kurfürst August. Der erste aufrichtig lutherischeHerrscher des albertinischcn Sachsen war Kurfürst August I.,der Stammvater Augusts des Starken. Sein Bruder Moritz,der ihm auf dem Kursessel vorausgegangen und ohne Nach-kommen gestorben war, hatte in den Glaubenshändeln immernur Gelegenheit zur politischen Geschäftsmacherei gesehen.August führte das kurfürstliche Scepter mit harter Faust, erartete, wie sein Biograph sich ausdrückt,zu einem jähzornigen,grimmigen, rachsüchtigen, nachtragenden Despoten aus, indessen Seele keine Faser von Edelmuth war."

Mit ganz besonderer Wuth verfolgte er diejenigen, die,wie der Ober-Landjägermeister von Rüxleben, die Legitimitätseiner Abstammung anzweifelten und ihre Zweifel laut zuäußern wagten. Folter und Beil waren diesen Vermessenengewiß. In wahre Raserei versetzten ihn namentlich die zahl-reichen Spottgedichte, die auf ihn, zumeist von protestantischenTheologen, gemacht wurden, und in denen ihm seine Schandeunverblümt vorgehalten wurde. Die Stimmung, welche damalsin Sachsen gegen den brutalen Gewalthaber herrschte, wirdaus diesen Gedichten zur Genüge klar. So heißt es am Schlüsseeines solchen Poems*), das dem Kurfürsten seine Sünden vorhält:

*) Der Titel desselben lautet:Herrn Niem?.nds Gesetz undBußpredigt, den Kurfürsten von Sachsen betreffend.