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gedankt ausgebildet, baß er berufen sei, eine große geschichtlicheOkolle zu spielen und namentlich als großer Feldherr vor allerWelt zu glänzen. Das Haus Oesterreich war durch einen„Krieg nach zwei Fronten" bedrängt: im Westen bedrohten dieFranzosen, im Osten die Türken die Marken, des Reiches. Alsein Netter dieses Reiches wollte der sächsische Theaterheld aufdem Kriegsschauplatz erscheinen und nachdem er mit Mühe undNoth ein Corps von 8000 Mann auf Kosten seines Landeszusammengebracht hatte, zog er unter großem Pomp und Traranach der türkischen Grenze, wurde zum Oberbefehlshaber derkaiserlichen Truppen ernannt, ließ sich in mehreren Tressen vondem tapferen türkischen Großherrn Musiapha II. barbarisch ver-hauen und kehrte, nachdem er die kaiserliche Armee vollkommenauf den Hund gebracht hatte, im Winter 1695 mit seinenblamirten Sachsen nach Dresden zurück, wo er natürlich vonden höfischen Speichelleckern als „sicggekrönter Feldherr" ange-jubelt und angesungeu und durch Siegcsmünzcn gefeiert wurde.
In Dresden folgte nun während des Winters ein Jubel-fest auf das andere. Mit aller Macht ging Friedrich Augustdaray, das Ideal seiner Pariser Träume zu verwirklichen, sichvoll und ganz zum deutschen „Louis" auszubilden. Von allenSeiten strömte abenteuerliches Gesinde! der mannigfachsten Artan den „glänzenden" Dresdener Hof und setzte sich wie eineLäusepest an dem widerstaudsunfähigen Volkskörper fest. Gleichdie erste Abwesenheit des Kurfürsten hatte eine schlaue Bandevon verworfenen Höflingen benutzt, um sich der eigentlichen Re-gierung zu bemächtigen und auf Kosten des Landes ihre eigenenTaschen zu füllen. So kam es, daß nicht dieser Fürst, 'sich als einen souverän gebietenden Machthaber betrachtete