wirkliche Lenker ver Landesgeschicke war, sondern eben jene ge-meinen, selbstsüchtigen Creaturcn, die Vitzthnm, Bcichling,Friese, Bosse, Fürstenberg, Flemming, und wie sie alle miteinander heißen.
Zudem sie den Fürsten geflissentlich in den wilden Taumelder Lüste hineinlocktcn, für den er ohnedies so viel Neigunghatte, wurde die Person desselben zu einer bloßen dekorativenFigur, einer Marionette, die nach ihrer Pfeife tanzen mußte.Allerlei Ränke, Intriguen und gemeine Klatschereien wurdenam Dresdener Hofe heimisch, und jeder dieser mit hochklingcndcnTiteln geschmückten Lumpen war nur darauf aus, den andernzu stürzen und auf den Königsstein zu bringen, um für sichselbst eine bessere Stellung zu gewinnen. Statt der einenNeitzschützschen Rotte gab es jetzt deren ein Dutzend.
Lviiulein v. Kessel. Ganz besonders wußte man denKurfürsten bei seiner Leidenschaft für die Weiber zu packen.Da man fürchtete, daß die solider gesinnte Knrfürstin Eber-hardine auf Friedrich August einen festeren Einfluß gewinnenkönnte, so suchte man zunächst das Band dieser Ehe zu lockernund das Interesse des Kurfürsten bald auf diese, bald auf jenegeeignete Schöne zu lenken. Endlich gelang es der Gattin desKanzlers Friese, einem verworfenen und herrschsüchiigenWeibe, die Aufmerksamkeit des flatterhaften Landesvaters aufeine Hofdame der Knrsürstin-Mntter, ein Fräulein von Kesselzu lenken, die ihm von der Frau Kauzlcrin und einem ihrerKumpane bei Gelegenheit eines Jagdausflugs geschickt in dieHände gespielt wurde. Der Kurfürst ging aus diesem „Kessel-treiben" Lls Sieger hervor: die Dame gestand ihm/^„daß ihrHerz nicht unemvsindlich sei, und der Kurfürst schickte ihr nicht