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versehen, kehrten sie in die heimathlichen Gaue zurück, wo fi« ,Immer wieder an die alte Zauberin am Tiberftrande und arIhre Herrlichkeiten zurückdenken mußten.
Es war nicht nur das „geistige Band" des Glaubens,das die frommen Seelen an den römischen „Gott auf Erden"knüpfte: es waren auch recht reelle ökonomische Interessen.Alle feineren Lebensbedürfnisse, wie sie sich allmählig bei derherrschenden Klassen der westlichen und nordischen Länder geltendmachten, konnten nur durch Vermittlung des italienischen Handelsbefriedigt werden, der von Amalfi, Pisa, Genua und Venedigaus stets mit dem schätzereichen Morgenlande im Zusammen-hange geblieben war und die abendländischen Feudalherren mit !den Produkten desselben versorgte. „Mit Leib und Seele"wußte Rom seine Gläubigen an sich zu fesseln und sie für 'seine Zwecke zu gebrauchen. „Je abhängiger," sagt Karl Kautskyin seiner vortrefflichen Einleitung zum Thomas More*), „inökonomischer Beziehung die Länder des Abendlandes von Italienwurden, desto abhängiger wurden ihre Könige und Bischöfevon Rom, desto mehr wurde der Mittelpunkt Italiens derMittelpunkt der abendländischen Christenheit."
Papstthum und Barbarismus. Wenn wir das
Rom der Päpste als den Erben der klassisch-römischen Kultur-welt bezeichnet haben, so dürfen wir freilich dabei nicht anjene aufgeklärte römische Geisteskultur aus dem Zeitalter einesHoraz oder Seneca denken. Wirkte das Papstthum auf denBarbarismus ein, so wirkte auch wiederum der letztere auf
*) Thomas More und seine Utovie. Von Karl KautSkp.Stuttgart, bei I. H. W. Dietz.