thum unter Heinrich m. genommen hatte, ebnete einigendeutschen Kirchenlichtern den Weg zum Papstthrone, von denenjedoch ein paar durch die eingeborene Römerpartei schnell mittelstGiftes auf die Seite geschafft wurden. Ein gefährlicher Postenwar damals dieses oberste Hirtenamt der Kirche.
Ein ganzes Jahr lang — vom 19. April 1054 bis zum13. April 1055 — war die Christenheit ganz ohne Oberhaupt,ohne daß sie dadurch in ihrem Bestände auch nur im geringstenerschüttert worden wäre. Kaum aber ist der Stuhl Petriwieder besetzt, so tönt dasselbe Rom, das während jenes Jahresfriedlich seinen Geschäften nachgegangen war, in dem blutigenStreit zwischen den Gegenpäpsten Alexander H. und Go-norius II. von lautem Waffenlärm und Todesröcheln wieder.
„Ueber den Thronen". Alle diese „kleinen Schön-heitsfehler", die der Geschichtsforschung an den jeweiligenStellvertretern Gottes aufstoßen, konnten natürlich nicht ver-hindern, daß das Papstthum als ökonomisch-politischer Faktorder feudalen Welt seine „Mission" im Leben der damaligenVölker erfüllte. Im Bunde mit den deutschen Königen, dievom Papst in „römische Kaiser" umgewandelt worden waren,hatte Rom die abendländische Christenheit zu einem einzigenOrganismus vereinigt, der den herandrängenden Feinden —Arabern, Ungarn, Sarazenen, Normannen — erfolgreichenWiderstand entgegenzusetzen vermochte.
Aber dieser Organismus mit den zwei Köpfen — demgeistlichen Papst-Kopf und dem weltlichen Kaiser-Kopf — trugden Keim des Zerfalls in sich selbst und so sehen wir dennalsbald Streit und Zwist zwischen Papstthum und Kaiserthumausbrechen und schließlich das letztere unterliegen. „Die