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Da schien das Schicksal noch einmal den Borgia aus demVollen zu lächeln: die Franzosen wurden in Neapel von denSpaniern geschlagen, und nun durfte der Papst, falls Ludwigsich um seine Gunst weiterbemiihte, seine Bedingungen stellen.Alles ließ sich ganz vortrefflich an, die kühnsten Träume derbeiden spanischen Banditen schienen in Erfüllung zu gehen —da rief der Tod ihnen plötzlich kurz vor dem Aufstieg aus denhöchsten Gipfel ein Halt! zu. Alexander VI. starb — undfurchtbar, wie das Leben dieses Menschen, war auch sein Tod.
Ungescheut hatten Vater und Sohn in der letzten Zeit ihrMordhandwerk ausgeübt. Juden, Maranen und Christen,Laien und Kleriker wurden, je nach Bedürfniß, geplündert oderganz beseitigt. Micheletto, der Henker Cäsars, hatte alleHände voll zu thun. Der Kardinal Ferrari, ein ungeheuer'"scher Mensch, hatte ein „weißes Pulver" bekommen, das denPapst zum Erben seiner Schätze machte. Dem Kardinal Orsini,der in der Engelsburg gefangen saß, war es ebenso gegangen.Der Kardinal Michiel hattn ebenfalls Gift erhalten und warvon dem Papstsohne beerbt worden. Auch Jacopo SantaCroce und der päpstliche Sekretär Tröche hatte dranglauben müssen. Die heiligen Würdenträger starben wie dieFliegen au der Borgia-Pest — konnte doch der Papst ihrerso viele „auf neu" machen, als er nur wollte.*) Endlich warAdrian von Corneto, einer der wohlhabendsten Purpur-träger, an der Reihe.
Hören wir über das, was nun geschah, den Bericht desdurchaus zuverlässigen Schriftstellers Marina Sa.iuto.
Kardinal Adrian von Corneto empfing eines Morgensvom Papst die Botschaft, daß derselbe in Gesellschaft seinesSohnes Cäsar bei ihm zu Abend speisen, jedoch, wie das zujener Zeit bisweilen üblich war. das Essen mitbringen wolle.Der Kardinal erschrak, denn er war sehr reich und hatte die
*) Noch vor Alexanders Tode ließ Cäsar durch seinen Vaterelf Kardinäle ernennen, die natürlich gehörig bluten mußte».