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der ^Grinde" noch immer widerstrebende Obotritenvolk unter dieHerrschaft des Krummstabs zu beugen. Juden, Mauren undWenden wurden zu Feinden des Glaubens" erklärt, und währenddie christlichen Könige, dem Gebote ihres geistlichen Oberhauptesgehorsam nach dem Morgenlande zogen, wütheten die kleinerenHerren der Christenheit mit Fcuer und Schwert gegen diesesungläubige Dreiblatt. Die wehrlosen Juden nahm der vonden christlichen Priestern der Liebe aufgehetzte Pöbel auf seineKappe, gegen Mauren und Wenden aber wurden gewaltigeHeermassen in Bewegung gesetzt. Hatte doch der Kreuzzugs-apostel Bernhard*) mit Bezug auf die Wenden ausdrücklicherklärt, daß diese Heiden „entweder bekehrt oder vertilgt werdenmüßen." Und so zogen zwei gewaltige Heersäulen von60000 und 40000 Mann, die sich hauptsächlich aus Sachsen,Burgundern und Franken zusammensetzten, gegen das Obotriten-ländchen heran, um die trotzigen Heiden zu „taufen", währendgleichzeitig die Dänen mit vielen Hunderten von Schiffen vonder Seeseite her den Angriff eröffneten und aus dem Osten diebereits bekehrten Polen, Böhmen und Mähren heranrückten,um zuzusehen, wie ihre slavischen Brüder aus dem Wasser unddem heiligen Geiste wiedergeboren wurden.
So von allen Seiten zugleich bedrängt, schienen die armenObotriten in der That verloren. Aber der mit so viel Lärmund Menschenaufivand ins Werk gesetzte Kreuzzug sollte aus-laufen wie das Hornberger Schießen: als die frommen Kreuz-fahrer sahen, daß es in Mecklenburg nicht das zu holen gab,was sie erwartet hatten, nämlich weltliche Schätze, kühlte sich
*) Ein Heiliger der katholischen Kirche.