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Güter und Einkünfte, und gern werden wir Christen'werdm, werden Kirchen bauen und unseren Zehnten geben."Der christliche Bischof blieb dem logisch denkenden Heiden dieAntwort natürlich schuldig — sie wurde ihm statt dessen inunzweideutiger Form von den sächsischen Reisigen ertheilt. «
Schaarenweise flohen die Obotriten nach dem sächsischenEinbruch zu den Pommern, Rugiem und Dänen, die sie mit-leidslos an die Polen, Serben und Böhmen verkauften. Dieneuen Herren des Landes gaben den Befehl, „alle Slaven, dieauf Nebenwegen und in abgelegenen, einsamen Gegenden be-troffen würden, sofort zu ergreifen und aufzuknüpfen!" Nebenden Sachsen drangen Westfalen, Friesen, Holländer u. s. w.ins Land. die über den zum großen Theil noch jungfräulichenBoden mit wahrer Gier herfielen. Die sächsischen Lehnsherrenund ihre Vasallen hatten nichts dagegen, daß das Land sich mitdiesen emsigen Einwanderern bevölkerte, hatten diese ja, gemäßder feudalen Ordnung, für die Bedürfnisse ihrer theuren Herrenmit zu sorgen.
Hier und da gestattete man wohl den Ueberbleibseln deralten Bevölkerung, in ihren Wohnsitzen zu verbleiben, dochschieden sich die Deutschen streng von den Wenden ab undhatten in nichts mit ihnen Gemeinschaft. Kein Wende durftein eine städtische Zunft aufgenommen werden und wo sie einHandwerk betrieben, da unterschied man sie mit peinlicher Sorg-falt von den deutschen Handwerksgenossen und bezeichnete bei-spielsweise die eingeborenen Metzger ausdrücklich als „Wend-schlächter." So wurde die „Bekehrung" und „Christianisirung"des Landes mit einer Energie und einem Nachdruck betrieben,daß alsbald die letzte wendische Zunge im Lande verstummte.