so
derselbe Vorgang, mik größeren oder geringeren Unterschieden,und Landesherr, Ritterschaft und Pfaffenthum arbeiteten indieser^hinsicht, so sehr sie auch sonst unter einander entzweitsein mochten, einträchtig zusammen. Kaum in einem zweitenLande tritt dieser ökonomische Prozeß der Bauernunterjochungin so grellen Bildern zu Tage, wie gerade in Mecklenburg, dasin dem Jahrhundert vor der Reformation bereits in jenen Zu-stand der Stagnation*) überzugehen begann, der in der Folge-zeit für dieses abgelegene Ländchen so kennzeichnend ist. Schondamals begann in den gegenseitigen Beziehungen der mecklen-burgischen herrschenden Gesellschaftsklassen die Devise: „Packschlägt sich, Pack verträgt sich" zur Geltung zu kommen. Dagab es keine strenge Durchkämpfung von Gegensätzen, sondernnur ein regelloses, vom augenblicklichen Interesse bestimmtesWürgen und Katzbalgen, in das man schon ziemlich scharfhineinschauen muß, nm dieselben Grundgesetze darin zu erkennen,die den gleichzeitigen Erscheinungen in der Entwickelung derNachbarländer zu Grunde liegen.
Die Städte. Ein kräftiger Bürgerstand konnte sich inMecklenburg schon aus rein geographischen Gründen nicht ent-wickeln, da Hamburg und Lübeck einerseits und Stralsund undStettin andererseits den dem Elbe- und Oderlauf folgendemVerkehr an sich zogen. So blieb den mecklenburgischen Landennur die Meeresküste, wo denn auch in Wismar und Rostocksich ein ziemlich ansehnlicher Handel entwickelte. Alle übrigenStädte Mecklenburgs sind zu allen Zeiten kleine Landstäde ge-blieben, deren Haupterwerbszweig Ackerbau und Viehzucht waren.Unter den Zünften waren nur die Fischerinnungen von einigerBedeutung, daneben kamen höchstens noch die Brauer und Tuch-macher in Betracht. Die Ritterschaft war dem städtischen Ele-ment von vornherein weit überlegen, und auch die Reibereien,welche bisweilen zwischen den beiden Hansastädten Rostockund Wismar und den Herzögen vorfielen, hatten keinen Ein-
*) Stillstand, Stockung.