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Marienbild n. s. w. Alle diese Reliquien wurden, als heil-kräftig betrachtet und brachten den Kirchen, welche sie besaßen,ein schönes Stück Geld, zumal es in jener Zeit noch keineAerzte gab, die den wundertätigen Heiligen Concurrenz gemachthätten.
Ganz besondere Verehrung genoß namentlich als Seelen-ärztin und „himmlische Vermittlerin" die Muttergottes Maria.Der Pfarrer Wackerbrek zu Muchow (1534) nannte siein seinen Predigten geradezu das „Fenster" des Himmels durchdas der sündige Mensch sich in die ewige Seeligkeit einschleichenkönne, wenn selbst Christus, die „Thür" des Himmels, ihm denEintritt verweigere.
In hohem Ansehen stand bei dem abergläubischen Volkeauch das sogenannte „heilige Blut", vorgeblich blutendeHostien, die den Kirchen, welche sie im Besitz hatten, ungezählteReichthümer zuführten. Zu Schwerin, das eine solche heil-wirkende Hostie besaß, wurden die in Schaaren herbeiströmendenKranken auf einer großen Waage gewogen, damit man dieSchwere ihrer Sünden und den Betrag an Opfern, welchen siefür ihre Heilung zu entrichten hatten, ermitteln könnte.
Häufig wurden diese blutenden Hostien mit den Juden inZusammenhang gebracht, die den „Leib des Herrn" heimlichdurchstochen und das Bluten veranlaßt hätten. Da ging esdenn unter Anführung der Geistlichkeit im ganzen Lande anein großes „Judenschmoren", wobei natürlich die Habe derVerbrannten zu Gunsten der Kirche und der Fürsten eingezogenwurde. Die letzte Judenverbrennung in Mecklenburg, die mitsolch einer blutenden Hostie in Zusammenhang stand, fand imJahre 1492 zu Sternberg statt. Nicht weniger als 27 Judenwurden, in Gegenwart der Landesherren und einer ungeheurenMenge von Gläubigen, an einem Tage auf einem Berge vorder Stadt verbrannt, worauf Mecklenburg durch die Nabbinenin den Bann gethan und während zweier Jahrhunderte von denJuden gemieden wurde.
Unter den ständigen Figuren, denen wir, wie überall in
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