SS
der mitteralterlich-christlichen Welt, so auch in Mecklenburg begegnen,darf natürlich auch der päpstliche Ablaß-Reisende nichtfehlen. Kleber den mecklenburgischen Unternehmungen dieservatikanischen Kassenbeamten waltete jedoch ein eigener Unstern:der eine verlor die gesammelten Goldfüchse vom Wagen, undHerzog Heinrich der Dicke nahm sie dem Finder ab, um siefür sich zu verbrauchen. Ein zweiter dieser Commis rührtedie Trommel zu einem Kreuzzuge gegen die Hussitcn, der Rathvon Wismar war jedoch so verständig, das Geld für den Fall,daß der Kreuzzug zu Wasser würde, zu öffentlichen Wohlthätig-keitszwecken an sich zu behalten. Ein dritter Ablaßkrämer end-lich, der 1516 zum Bau der Peterskirche in Rom sammelte,fiel dem König von Dänemarck in die Hände, der ihn bis ausden letzten Heller ausplündern ließ.
Die „große Theilung". Man sieht, daß das Band,wölches Mecklenburg an das römische „Weltcentrum" knü-zfte,bereits recht sehr gelockert war. Die Entwickelung der ökono-mischen Verhältnisse hatte genügend darauf vorbereitet, an derheiligen römischen Kirche eine gründliche „Reformation" vor-zunehmen. Der heftige Vorstoß Luthers brachte die anti-römischeBewegung auch in Mecklenburg in Gang.
Wie sehr diese Bewegung in der Hauptsache einenökonomischen Charakter trug, dafür lieferte gerade Mecklenburgeinen frappanten Beweis. Dem Eigendünkel protestantischerPfaffen verdanken wir die Mär von der „sittlichen Entrüstungder besseren Elemente" über das lasterhafte Rom, von dem„edlen, freien Geiste einer geläuterten Lehre", der plötzlichum sich gegriffen habe. Der Wahrheit kommt jedenfalls die Dar-stellung des ehrlichen Voll weit näher, welcher über diesenPunkt sich also auslüßt: „In Mecklenburg äußerte sich dieallgemeine Theilnahme der Laien „von Adel und Bürgern"an der Reformation vorzugsweise durch die Zurückhaltung derZinsen und Pachte der geistlichen Kapitalien und Güter, undman stellte nicht allein ohne Weiteres alle Zahlungen und