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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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55
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Stütze der Autokratie ist's, den sie alle, die Großen wiedie Kleinen, in jenen Tagen anstrebten. Und da die Ständedie Kosten zur Erhaltung dieses Heeres nicht bewilligen wollen,so verkauft inzwischen der Landesvater seine mecklenburgischenUnterthanen als Kanonenfutter an die holländische Regie-rung, um, da man ihn keine Soldaten halten läßt, dochwenigstens den andern Machtfactor des Absolutismus, dasGeld für sich zu haben.

Mit den Soldaten aber machte endlich Karl Leopold*)bei seinem Regierungsantritt (1713) Ernst. Er hatte alsjunger Mensch die Bekanntschaft des schwedischen Soldaten-königs Karl XU. gemacht und wie sein Oheim ChristianLouis sich Ludwig XIV. zum Ideal erwählt hatte, so machtesich nun Karl Leopold zur Karrikatur des jungen schwedischenAbenteurers. Sein verschrobenes, querköpfiges Wesen, das ertelbst als den Ausfluß einer gottbegnadeten Kraftnatur be-trachtete, trat alsbald in einer Reihe merkwürdiger Handlungenzu Tage.

Der Erste, dm er seinesouveräne Macht", deren gött-lichen Ursprung er stets zu betonen pflegte, fühlen lassenwollte, war sein eigener Bruder Christian Ludwig, den erauf die jämmerlichste Weise chikanirte und verfolgte. Alsdannging er an die Ausführung seiner weit angelegten militärischenPläne. Er hatte auf seinen Prinzenreisen, die ihn nachHolland, Frankreich, England und Polen geführt hatten,gesehen, daß ein richtiger Fürst auch Festungen haben müssewas war natürlicher, als daß er als souveräner Herr vonMecklenburg denselben Herzenswunsch hegte?

So erkor er sich denn das gute Rostock zur Landes-festung und Residenz und that als echter Selbstherrscher sogleichSchritte, um seine Absicht zu verwirklichen. Die Nostockerschrieen natürlich Zeter und Mord ob solch unerhörten Dingen

*) Gebore» 1S79.