so
Zu den Männern, die dem querköpfigen Regenten treu gebliebenwaren, gehörte auch der Geheimrath von Wolfrath, der mitder illegitimen Tochter des Herzogs Friedrich Wilhelm, alsoeiner Nichte Karl Leopolds, verheirathet war. Diese Damehatte es ihrem Oheim angethan, das alternde Herz desselbenvermochte ihren Reizen nicht zu widerstehen. Frau von Wolf-rath wurde die Maitresse des Herzogs, ihren Gatten aber ließKarl Leopold wegen vorgeblicher „Fälschungen" enthaupten.Die Hinrichtung sollte heimlich stattfinden, Wolfrath bat sichjedoch eine öffentliche Hinrichtung aus. Vom Schaffst aushielt der Verurtheilte eine Rede, in der er laut seine Unschuldbezeugte, und niemand zweifelte in jenen Tagen, daß KarlLeopold an dem Gatten seiner Maitresse einen Mord be-gangen hatte.
Die über das Betragen ihres Gatten empörte Herzoginbegab sich mit ihrer einzigen Tochter Elisabeth*) für immernach Rußland, während Karl Leopold mit seiner „gnädigenFrau", wie man die Wolfrath allgemein titnlirte, von Dömitznach Danzig ging (1722). Die Wolfrath beherrschte denHerzog, dem sie einen Sohn, Emanuel, geschenkt hatte, voll-ständig. Sie blieb etwa zehn Jahre an seiner Seite, und >.rwollte sie sogar heirathen, doch unterblieb dieser Schritt —wahrscheinlich, weil der inzwischen alt gewordene Herzog gänz-lich verarmt war. „Sie hing sich darauf an einen andern",sagen die zeitgenössischen Berichte.
Inzwischen spann der unruhige Geist des Herzogs anseinen Wahngebilden weiter. Er wandte sich an den Papst,an den Kaiser, an Rußland, ohne irgendwo Gegenliebe zufinden. Im Jahre 1728 wurde er vom Reichshofrath zu Wiengänzlich von der Regierung snspendirt und an seinerStatt sein jüngerer Bruder Christian Ludwig zum Admi-'nistrator „im Namen des Kaisers" ernannt. Die eigentliche
*) Sie trat zur griechischen Kirche über und war die MutNjenes Zaren Iwan, den Katharina II. in Schlüsselburg erwürgen ließ.