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Landesverwaltung führte der Reichshofrath zu Wien, der schonlange an keinem so fetten Bissen gezehrt hatte.
Da aber sollte die Welt ein unerhörtes Schauspiel erleben:ein wirklicher und leibhaftiger Volksaufstand brach los imLande Mecklenburg!" Die freche Junkerschaft hatte nämlichdie Kosten für die Erhaltung der immer noch im Lande sitzendenExecutionstruppen den Städten aufgehalst, und da stellten sichdann diese offen auf die Seite Karl Leopolds. Und als dieserim Jahre 1730 wieder in seinen Stammlauden erschien, schaartensich Bürger und Bauern um seine Fahnen, während die tapferenJunker von neuem die Flucht ergriffen. Am 7. September1733 erließ Karl Leopold ein Manifest zu einem „allgemeinenAufgebot" und drei volle Wochen lang stand das arme, rechtlosemecklenburger Volk in Waffen gegen seine verhaßten Bedrückerund die fremden Söldnerschaaren, hinter die sich das feigeJunkerthum versteckt hatte.
Der Alisgang dieser Volkserhebung, von der zu bedauernist, daß sie für eine so schlechte Sache zu Stande kam, konntenicht zweifelhaft sein: gegenüber den regulären Truppen derExekutionsarmee vermochten diese undisziplinirten, zum großenTheil nur mit Sensen, Mistgabeln und Piken ausgerüstetenVolkshaufen nichts auszurichten, und so streckten sie denn nacheiner Anzahl von unbedeutenden Scharmützeln die Waffen lindkehrten, bis auf die „Rädelsführer", die man ins Gefängnißsetzte, an den Pflug und in die Werkstatt zurück. Der oberstedieser Rädelsführer, Karl Leopold, entfloh nach dem zu jenerZeit in schwedischen Händen befindlichen Wismar.
Die Rolle des tragikomischen Helden war ausgespielt.Sechs Jahre lang blieb er in Wismar, indem er abwechselndmit dem Kaiser, dem Papste, dem Zaren, mit Frankreich,Spaiüen und sonst wem „Allianzen" abzuschließen suchte.Welche Parodie der Geschichte auf den „allmächtigen" Absolutis-mus! Auch mit dem „Volksanfstand" wollte er es noch ein-mal versuchen, allein die mecklenburgischen Bauern waren nun