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jener kriegerischen Glanzpolitik, die einmal mit dem absolutistischenSystem untrennbar verbunden ist. Indem er den Kardinals-purpur mit dem Stahlpanzer vertauschte, zog er an der Spitzeeines großen Söldnerheeres nach Italien, um die verbündetenSpanier, Oesterreichs und Savoyer zu bekämpfen und demfranzösischen Einfluß auf italischem Boden den Weg zu bahnen.
Das Glück rvar ihm günstig, die Spanier erlitten eineempfindliche Niederlage. Dem französischen „Prinzipalminister"
— so nannte sich der kriegerische Hausmeier der Bourbonen
— kam der Appetit mit dem Essen, und so schaute er dennnach einem neuen Felde aus, auf dem er das Herzblut desausgebeuteten französischen Volkes gegen frische Siegeslorbeereneintauschen konnte.
Eroberung des Mfirtz. Das linke Rheinufer, undzwar zunächst das Elsaß, war es, das sich dem BeherrscherFrankreichs — denn als solcher erscheint Richelieu thatsächlichneben einer Null wie Ludwig ÄII. — als das nächste Objektseiner Annexionsgelüste darbot. Da ist es denn dem deutschenChauvinismus gegenüber höchst angebracht, die von unserenHistorikern sorgfältig verschwiegene Thatsache zu betonen, daßdie deutschen Protestanten es waren, die dieses Landden Franzosen in die Hände gespielt haben.
Mit französischen Truppen und französischem Gelde er-oberte Herzog Bernhard von Weimar (1635—39) dasbisher dem Hause Oesterreich gehörende Elsaß, und unterfranzösischer Oberhoheit, mit Hilfe französischerBesatzungen sollte der protestantische Habenichts die Vasallen-herrschaft in dem eroberten Lande antreten.
Wohl haben die offiziellen deutschen Geschichtsschreiberihren germanisch-protestantischen Helden von dem Verrath amteutschen Vaterlande weißzubrennen versucht, aber wie wollensie die Thatsache deuten, daß Bernhard nach jedem Siegedie eroberten deutschen Fahnen nach Paris schickteum sie dem Franzosen, dem Katholiken Ludwig u»>> ^'Kardinalminister zu Füßen zu legen?