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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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bei jeder beliebigen Gelegenheit sich in die deutschen Angelegen-heiten einzumischen.

So war das Frankreich Heinrichs IV., das FrankreichNichelieus wieder auf die Füße gestellt, und alles beugte sichvor derWeisheit" des Kardinals, der nun unumschränkt überFrankreich herrschte. Der absolutistische Apparat war bis aufdie letzte kleine Schraube vollendet: alles hing von dem Willendes Einen ab, des Königs oder seines Großvezirs. Nochwar es vor der Hand der letztere, der am Steuer saß und dasStaatsschiff lenkte. Noch kamen von ihm alle Gnaden, ver-theilte er die Würden, Pfründen und sonstigen Gnaden.

Es versteht sich, daß er sich selbst und seine Familiedabei am wenigsten vergaß. Er bezog die Einkünfte von fünfGouvernements, zwei Herzogthümern, zahlreichen Grafschaften,den vierzig reichsten Abteien des Landes. Dazu bestahl erden Staatsschatz um ungezählte Millionen und trieb einenschamlosen Aemterschacher, der ihm Unsummen einbrachte.Konsiszirte Bücher ließ er nicht verbrennen, sondern um dendoppelten und dreifachen Preis für seine eigene Rechnung ver-kaufen. Auf seine Berwandten regneten die Grafen- undHerzogskronen nur so herab, seine Nichten suchte er an denjungen König zu verkuppeln. In seinem Testament verbot er,die Summe seines Vermögens zu nennen man schätztedasselbe, nach heutigem Geldwerth, auf etwa 300 MillionenReichsmark. Diese ganze, dem französischen Volke abgepreßteSumme schluckte, als er im Jahre 1661 starb, nach geringenAbzügen für den König und etliche Stiftungen die sizilianischeSippschaft des ehemaligen päpstlichen Kapitäns Mazarini.

Der nerre Herr. Alle Welt war gespannt, wer wohlnach dem Tode Mazarins die Stelle des Großvezirs einnehmenwürde. Man hatte sich bereits ganz daran gewöhnt, denKönig gleichsam als ein Wesenhöherer Regionen" zu be-trachte», das mit den prosaischen Angelegenheiten des , Regiercns"nichts zu thun hatte und diese nicht allzu saubere Arbeit irgendeinem Anserwählten überließ. Man traute dem jungen, bei